Ein Stück soziale Realität erlebt

Olsberg/Winterberg. Die Augen strahlen, wenn sie von ihrer Arbeit spricht. „Es hat großen Spaß gemacht und ich habe vor allem sehr viel gelernt.“ Laura Motta (20) fühlt sich nach Beendigung ihres einjährigen freiwilligen Praktikums in der Jugendhilfe Olsberg bestätigt. „Ich weiß jetzt definitiv, dass die Arbeit in Kinderheimen meine Sache ist.“

mottaVor einem Jahr hatte die Winterbergerin im Bergkloster in Bestwig ihr Abitur gemacht. Im sozialen Zweig. Damit war eigentlich schon vorprogrammiert, dass sie in diesem Bereich einmal arbeiten würde. „Ich wollte immer schon etwas mit Kindern und Jugendlichen machen. Vor allem Kinder- und Jugendeinrichtungen haben mich gereizt“, berichtet die 20-Jährige. „Aber ich war mir nicht sicher, ob mir die Arbeit dort tatsächlich zusagt.“ Was lag näher, als Erfahrungen in einem freiwilligen sozialen Jahr zu sammeln.

Laura Motta machte sich im Internet schlau und war völlig überrascht, eine Jugendhilfeeinrichtung quasi in der Nachbarstadt vorzufinden. „Man fährt täglich vorbei und weiß doch nur sehr wenig, was dort gemacht wird.“

Klar, dass sich die 20-Jährige sofort bei der Jugendhilfe in Olsberg - Träger ist die Kropff-Federath’sche Stiftung - bewarb. „Schon beim Vorstellungsgespräch hatte ich ein gutes Gefühl“, erinnert sie sich. Im August 2010 begann sie ihr Praktikum in einer Wohngruppe auf dem Gelände der Stiftung. In der ersten Zeit lernte sie den Gruppenalltag und die Regeln im Rahmen einer Hospitation kennen. Die Wohngruppen, in denen Kinder und Jugendliche im Alter von 2 bis 17 Jahren leben, organisieren sich selbstständig, d.h. neben dem erzieherischen Auftrag werden die Zubereitung der Mahlzeiten, Einkäufe, Hausaufgabenbetreuung, Wäschepflege, das Achten auf Hygiene, Arztbesuche und das Zubettbringen von kleineren Kindern durch die Gruppe geleistet. „Ich hatte ja keine Ahnung, wie es in einem Kinderheim aussieht und war überrascht, wie vielfältig die Aufgaben sind“, berichtet die Winterbergerin.

Nach kurzer Eingewöhnungszeit bekam sie erste einfache Aufgaben übertragen, die mit der Zeit immer verantwortungsvoller wurden. Laura lernte aber auch andere Bereiche der Jugendhilfe kennen. Sechs Wochen war sie in einer Außenwohngruppe, eine Woche in einer Tagesgruppe und zwei Wochen in der Offenen Ganztagsbetreuung einer Grundschule.

„Jeder Tag war spannend und aufregend. Ich habe viele Kinder und Jugendliche mit den unterschiedlichsten Hintergründen kennen gelernt. Und ich habe versucht zu helfen, soweit es mir möglich war“, zieht die 20-jährige Bilanz. Die 12 Monate haben sie geprägt und auch verändert. Positiv, wie viele Freunde und auch ihre Eltern bestätigen. „Ja, ich bin selbstständiger geworden und habe gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Ich denke, ich habe die Realität in vielen Facetten kennen gelernt“, meint Laura. Häusliche Gewalt, Missbrauch und Traumatisierung - Themen, mit denen sie im Praktikum konfrontiert wurde - sind längst keine Fremdworte mehr.

Sie hörte sich in Gesprächen die Sorgen und Nöte der Kinder an, lernte damit umzugehen und auch Regeln zu setzen. „Und wenn es mal nicht klappte, stand ja immer noch das Team hinter mir und hat weiter geholfen“, so Laura.

Natürlich habe sie auch manche Probleme mit nach Hause genommen, räumt die 20-Jährige ein. „Da überlegt man sich nicht nur Lösungen, sondern erfährt auch eigene Grenzen und Möglichkeiten. Ich denke, dass man daran auch wachsen kann.“

Dass die Winterbergerin alles mitbringt, was man in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen benötigt, bestätigt die Leiterin der Jugendhilfe, Anja Gernholt. „Laura ist motiviert, einfühlsam, mag Kinder und zeigt Bereitschaft, sich auf sie einzulassen. Sie war so schnell im Team integriert, dass man gar nicht mehr gemerkt hat, dass sie Praktikumsstatus hat. Kurzum: Ihre Leistung war großartig.“

So viel Lob macht die 20-Jährige schon fast verlegen. Sie versteht es aber auch als Ansporn für viele junge Menschen, es ihr gleich zu tun, zumindest über ein freiwilliges soziales Jahr mal nachzudenken. „Es lohnt sich auf jeden Fall.“ Und auch Anja Gernholt freut sich über jeden engagierten Praktikanten. „Zwei bis drei Personen können wir immer gut gebrauchen.“

So ganz hat sich Laura Motta noch nicht von ihren ehemaligen Schützlingen lösen können. Bevor es nach Hause geht, stattet sie ihrer alten Wohngruppe noch rasch einen Besuch ab. Die Freude der Kleinen und auch der Kollegen ist riesengroß.

Und egal, wohin der Weg die 20-Jährige in Zukunft führt, in die Erzieherausbildung oder ins Studium mit Schwerpunkt Soziale Arbeit, die Kinder wird sie nie vergessen.