Salat? Der kommt aus meinem Garten!

Olsberg. „Bauschen Sie nicht zu viel auf“, rufen gleich mehrere Markthändler hinter der WP-Redakteurin her. In puncto Ehec sind sie sich da mit den Verbrauchern auf dem Olsberger Wochenmarkt einig. Alle bleiben gelassen und gucken höchstens, wo die Ware herkommt. Fazit: Am besten aus Deutschland. Da gäbe es zurzeit vor allem: Spargel, Salat, Erdbeeren, und erste Kartoffeln.

BesucherGurken aus Spanien hat Markthändler Rudolf Kuhlmeier aus Hörse bei Lippstadt so gut wie nie im Angebot. „Höchstens im Winter, wenn hier nicht Saison ist.“ Er ist der einzige mit großem Obst- und Gemüsesortiment. Erdbeeren und Salat kommen von seinen Äckern. „Nur die Kartoffeln, die kaufe ich zurzeit noch aus der Pfalz zu.“

Seine Kundin interessiert sich nur für Äpfel und Tomaten, alles andere wachse im eigenen Garten. „Ich kaufe dort, wo ich vertraue und behandele das Obst und Gemüse wie vorher“, sagt sie und greift zu Tomaten aus den Niederlanden. Die ständen dort gar nicht draußen, argumentieren Händler und Kundin. Also kein Problem?

 

Warnung gilt noch

Das Robert-Koch-Institut halte seine Warnung, was Tomaten, Gurken und Blattsalat anbetrifft, aufrecht. Insbesondere für norddeutsche Produkte, aber an zweiter Stelle für alle, betont Gesundheitsamtsleiter Dr. Peter Kleeschulte.

Ziemlich leer gefegt sieht es an diesem Freitagmorgen in Olsberg aus, aber das sei öfter so, bestätigen diverse Markthändler. Also kein Zeichen für Ehec-Panik.

An einer Stelle finden sich aber immer viele Kunden: dort, wo die kleinen Salatpflänzchen verkauft werden. Wer einen Garten hat, scheint ihn für den Nutzbau wiederzuentdecken oder aber hat das Züchten nie aufgehört.

„Salat esse ich nur aus meinem Garten“, antworten viele der Senioren, die den Hauptteil der Kundschaft stellen. Eine ältere Dame meint, auf Ehec angesprochen: „Ich bin für mich alleine, da ist es egal!“

Mit ihren Verbrauchern haben die Markthändler immer wieder über das Thema Ehec gesprochen. So, wie die Redakteurin, mit der sie dann aber ruck, zuck bei ganz anderen Dingen landen, nicht zuletzt beim Dioxin-Skandal. „Das war schlimm für uns“, sagt Geflügelzüchter Ulrich Lüning. Sein Geschäfts-Motto: Alles, was er verkauft, probiert er vorher selbst. Und so langsam wandele sich auch bei jungen Leuten das Verständnis für Lebensmittelqualität und heimische Produkte. Dann zum Beispiel, wenn sie seine Kartoffeln mal probiert hätten! Von Ehec geht das Gespräch schnell zu steigenden Preisen fürs Futtermittel und sinkenden fürs Ei.

„Wir haben doch jedes Jahr um diese Zeit irgend so etwas“, sagt Familie Kermer. Mal sei’s die Schweinepest, mal die Vogelgrippe. „In 14 Tagen hören Sie dann nichts mehr davon.“ Und darum ändern Kermers auch ihr Verhalten nicht. „Die Hände wasche ich mir zu Hause immer, wenn ich unterwegs war“, unterstreicht Thea Busch, die bei ihnen steht.

 

Landwirte ärgern sich

Die Kermers ärgert, dass jetzt die Bauern unter der Ehec-Geschichte leiden. Dazu Josef Schreiber aus Medebach, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Hochsauerland: „Es ist schon erstaunlich und schade, wie schnell und bereitwillig die Schuld bei Lebensmittelproblemen bei unseren Bauern gesucht wird, ohne dass Ursachen erwiesen sind.“

Laut Dr. Kleeschulte (Gesundheitsamt) wird die Unsicherheit auch noch einige Zeit andauern. „Es gibt eine Nachlaufzeit“,spricht er die Tatsache an, dass die Ursache wirklich als gefunden gelten muss. Bis zu fünf Tage könne es dauern, bis die Krankheit nach Ansteckung ausbreche. Er gibt den Anfragenden aus dem HSK die Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes weiter.