Kreuztal. Mit der „Green Factory“ bekommt Südwestfalen ein Leuchtturmprojekt für Kreislaufwirtschaft und einen Knotenpunkt für die Industrie der Zukunft. Sieben Lehrstühle und Institute der Uni Siegen und RWTH Aachen, die Smarte Demonstrationsfabrik am Campus Buschhütten, das Start-up Smart Plastify sowie zahlreiche Unternehmen wollen zeigen, wie Industriegebäude nachhaltig ertüchtigt und kreislaufgerechte Produktion mit hochwertigen Metallen und Kunststoffen funktionieren kann.
Der zuständige Ausschuss der REGIONALE 2025 Südwestfalen hat den zweiten und dritten Stern gleichzeitig vergeben, der EFRE-Begutachtungsausschuss das Projekt nach Prüfung der Auswahlkriterien zur Förderung empfohlen. Somit fließen voraussichtlich 22,4 Millionen Euro an Fördermitteln von Land NRW und EU aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) – die bislang größte Einzelförderung in der REGIONALE 2025 in Südwestfalen.
„Bestehende Industriearchitektur mit modernen, kreislauffähigen Fertigungsprozessen zu kombinieren, ist ein zukunftsweisendes Modell. Gemeinsam mit unseren Partnern zeigen wir, wie ökologische Verantwortung und ökonomische Tragfähigkeit Hand in Hand gehen können – und dass nachhaltige Produktion real umsetzbar ist“, freute sich Prof. Dr.-Ing. Peter Burggräf von der Universität Siegen.
In Anbindung an den Campus Buschhütten in Kreuztal, in dem die Digitalisierung der Industrie und moderne Produktionstechniken im Vordergrund stehen, fokussiert die „Green Factory“ das Thema Kreislaufwirtschaft in der Industrie. So bekommt Südwestfalen einen Knotenpunkt für digitale, nachhaltige und kreislaufwirtschaftsgerechte Transformationsprozesse und einen zentralen Anlaufpunkt für die Industrie der Zukunft.
Industriegebäude nachhaltig umgestalten – Kreislaufwirtschaft in der Produktion – Wissenstransfer in die Region Südwestfalen
Mit privatwirtschaftlichen Mitteln geht die Firma Achenbach Buschhütten Holding GmbH voran, saniert unter Nachhaltigkeitsaspekten eine historische Fabrikhalle auf dem Gelände und führt diese einer neuen Nutzung zu: der „Green Factory“ mit insgesamt zwei vorgesehenen Projektbausteinen.
Im Baustein „Cyber Sustainable Building“ kümmern sich die Projektverantwortlichen um Gebäude wie das der „Green Factory“. Hier arbeiten sie beispielsweise mit einem digitalen Gebäudezwilling. Dieser ermöglicht es ihnen, Emissionswerte und Energieverbrauch in Echtzeit zu messen. Ergänzt um die Erkenntnisse aus dem Umbau der Fabrikhalle zur „Green Factory“ entsteht ein Leitfaden, wie bestehende Industriegebäude in Südwestfalen nachhaltig und möglichst nach den Maßgaben des kreislaufwirtschaftsgerechten (Um)bauens umgestaltet werden können.
Der zweite große Projektbaustein heißt „Green Manufacturing“. Dafür wird in der „Green Factory“ ein kreislauffähiger Produktionsbetrieb aufgebaut. Das Augenmerk liegt auf vier Aspekten: wie möglichst wenig Produktionsabfälle entstehen, wie unvermeidbare Produktionsabfälle aus hochwertigen Metalllegierungen und Kunststoff wieder in den Produktionsprozess eingebracht werden können, wo nachwachsende Rohstoffe wie Holz alternativ eingesetzt und modernste Technologien für die Reparatur von Bauteilen genutzt werden können.
Die Ergebnisse aus den Projektbausteinen sollen in einem Transferhub aufbereitet werden, damit sie auch andere Unternehmen in Südwestfalen für sich nutzen können. Der Leuchtturm-Charakter des Vorhabens spricht sich herum in Südwestfalen. Seit der Auszeichnung mit dem ersten Stern sind viele neue Unternehmen hinzugekommen, die das Projekt unterstützen. „Besonders erfreulich ist, dass das Projekt zunehmend als Reallabor für die zukunftsfähige Industrie wahrgenommen wird. Für uns ist die Auszeichnung ein starkes Signal, dass Transformation gelingen kann – wenn man sie partnerschaftlich angeht und Möglichkeiten schafft, verschiedene Stakeholder entlang der gesamten Wertschöpfungskette einzubinden“, sagte Fabian Steinberg, Geschäftsführung der Smarten Demonstrationsfabrik Siegen SDFS.
Das Projekt „Green Factory“ der REGIONALE 2025 in Südwestfalen soll voraussichtlich mit 22,4 Millionen Euro aus Mitteln des Landes NRW und des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) über den Aufruf „REGIONALE Südwestfalen – Projekte für eine digitale, nachhaltige und authentische Zukunft in Südwestfalen“ gefördert werden.
Hintergrund: Für zukunftsweisende, nachhaltige und innovative Vorhaben in Nordrhein-Westfalen stehen aus dem EFRE/JTF-Programm NRW 2021-2027 EU-Mittel in Höhe von 1,9 Milliarden Euro des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) und des Just Transition Fund (JTF) zur Verfügung. Hinzu kommen eine Ko-Finanzierung des Landes Nordrhein-Westfalen und Eigenanteile der Projekte. Unterstützt werden Vorhaben aus den Themenfeldern Innovation, Nachhaltigkeit, Mittelstandsförderung, Lebensqualität, Mobilität, und Strukturwandel in Kohlerückzugsregionen sowie Strategische Technologien und Wettbewerbsfähigkeit.
Die REGIONALE 2025 ist ein Strukturprogramm des Landes NRW. Sie wird aus Mitteln der Städtebauförderung des Bundes und des Landes Nordrhein-Westfalen unterstützt.
Auf dem Gelände der Firma Achenbach-Buschhütten soll die "Green Factory" entstehen. Mit avisierten Mitteln von 22,4 Millionen Euro erhält das Projekt die bislang größte Einzelförderung innerhalb der REGIONALE 2025.
Foto: Björn Hadem / Achenbach Buschhütten