Betriebsstätten aus vorigen Jahrhunderten im oberen Ruhrtal Olsbergs Teil 2

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Die unterschlächtige Sägemühle und die Mahlgänge
Sägemühle an der RuhrstraßeAm 16. Juni 1829 kaufte der Schreinermeister Johann Vollmer aus Bruchhausen von dem Joseph Imöl, genannt Schäfercord in Olsberg, soviel im „Knick“ gelegenes Gelände, das er für einen noch zu errichtenden Bau benötigt und zwar nach der Seite nach Bigge hin, an die neue Chausee (Ruhrstraße).


Vollmer mit JagdfreundenIm Jahre 1830 beantragte Johann Vollmer an der Ruhrstraße, auf eigenem Grund eine unterschlächtige Sägemühle errichten zu dürfen. Nach der Veröffentlichung seines Antrages gab es Widersprüche von den Anliegern am geplanten Mühlengraben, unter anderem von Engelbert Kropff (Hesters). Begründung: Ihre Wiesen würden von dem ständigen Wasser des Mühlengrabens versauern.
Nach einer sachlichen Aussprache mit den Anliegern wurde der Widerspruch zurück genommen. Danach erhielt Johann Vollmer am 18.Juni 1832 die Konzessions – Urkunde zur Sägemühle. In 1839 wurde von der Seite der Mühle ein Weizenmahlgang und in 1841 ein Frucht – Mahlgang angelegt. Da im Mahlbezirk (Olsberg, Bigge und Helmeringhausen) nur drei Mahlgänge existierten, war vorher eine polizeiliche Ermittlung über Bedürfnis und Versorgung durchgeführt worden. Vollmers Angaben über die Dringlichkeit wurden durch die Erteilung der Konzession bestätigt. Im Jahre 1842 bekamen Vollmers die Konzession  zur Anlegung eines weiteren Wasserrades, unter gleichzeitiger Konstruktion desselben zu einem „Graupengange“ (Graupenmachen: ist die Enthülsung von WassergrabenGerstenkörnern, eine deutsche Erfindung aus dem 17. Jahrhundert) in einen  Fruchtmahlgang umzuwandeln. Das Wasser für die Mahl – und Sägemühle wurde ca.500 m. oberhalb der Mühle durch eine Wehranlage geführt und dann zur Mühle geleitet.
Nachfolger von Johann war der Sohn Müllermeister Franz, danach der Müllerobermeister Xaver Vollmer, genannt „Sägemüllers X“. Franz hat in 1885 die bisher im hinteren Teil des Hauses befindliche Säge in den Bereich unterhalb des Wohnhauses verlegt. Am 24.12.1891 wurde die Sägehalle ein Raub der Flammen, das Haus wurde dabei stark beschädigt. Schon im Sommer 1892 wurde an fast gleicher Stelle eine neue Sägehalle  und an der Rückseite ein Mühlengebäude errichtet. Das Mühlengebäude war ein einfacher Holzschuppen und nicht in der gleichen Fristhöhe mit der Sägehalle, ist somit auf dem Foto auch nicht erkennbar. Ein Foto von der Rückseite zeigt das Mühlengebäude, welches 1925  durch ein 2 ½ Stockwerk hohes Backsteingebäude modernisiert wurde. Im SägemühleHaus Vollmer war auch das Gemeindebüro, siehe das Schild über der Tür. Franz Vollmer war von 1894 bis zu seinem Tode 1912 Ortsvorsteher und Theodor war Ortsvorsteher und Stellvertretener Amts – Bürgermeister von 1912 bis 1923. Das alte Wohnhaus wurde bei einem Brand im Jahre 1948 so beschädigt, dass es auf Dauer für Wohnzwecke nicht mehr genutzt werden konnte. Nach Aufbringung eines Notdaches wurde es nur noch als Lager – und Verkaufsraum für die Mühlenprodukte genutzt. Der Architekt August Bartmann hatte für den geplanten Neubau eine Bauzeichnung mit Baubeschreibung angefertigt. Die Baubehörde verlangte aber noch größere Änderungen, wodurch sich das ganze Bauvorhaben erheblich verzögerte. Xaver Vollmer war  inzwischen verstorben, (am 26. Das Wohnhaus an der RuhrstraßeJuli 1952) und so wurde erst 1958 das alte Gebäude abgerissen und auf den alten Grundmauern (ca. 50 cm erhöht) ein neues Wohnhaus errichtet. Ein einstöckiger Geschäftspavillon wurde im Jahre 1972 angebaut. Die Gebäude für den Mühlen- und Sägebetrieb sind allesamt, einschließlich der Bearbeitungseinrichtungen abgetragen worden, so dass die Stätte „Sägemüllers“ jetzt ein reiner Wohn- und Geschäftsbereich ist.

Die Betriebsstätte „Sägemüllers“ am Stausee

Ölmühle mit SchuhleistenfabrikAb dem Jahre 1862 betrieb der Sägemüller Johann Vollmer (die Vorfahren kamen aus der Mühle in Bruchhausen) eine Ölmühle und eine stationäre Dreschmaschine auf dem Gelände „In den Oehlen“. Beide Maschinen wurden mit Wasserkraft angetrieben. Johann ist laut Angabe seiner Enkeltochter, Caroline Gröpper geb.Vollmer, nach einem Sprung über den Mühlengraben am 24.12.1877 an den Unfallfolgen gestorbern.
Ab 1878 gehörte die Stätte dem Sohn Franz Vollmer, sen. Mit seinem Schwager Wilhelm Kropff (Hüttenschreiber) wurde ein Anbau für eine Bestellung der DrehmaschineSchuhleistenfabrikation erstellt. Die Dreschmaschine wurde im Sommer 1889 durch eine große, moderne Maschine ersetzt, siehe dazu die Bestellung und den Lieferschein. Laut mündlichen Berichten ist Frau Joseph Pape mit ihrem langen Kleid (damals üblich) vom Wasserrad erfasst und tödlich verletzt worden. Auch der Hilfsarbeiter Fritz Zirus hat bei Arbeiten am Triebwerk der  Dreschmaschine durch einen Unfall einen Arm verloren. Theodor Vollmer hat sich beim Aufschneiden der Getreidegarben mit dem Messer ein Stück vom linken Daumen abgeschnitten. Die Maschinen für die Schuhleistenfabrik wurden unabhängig von dem „Unterschlächtigem Lieferschein der DrehmaschineWasserrad“ der Ölmühle und der Dreschmaschine mit einer „Girad Turbine“ angetrieben. Das erforderliche Wasser wurde aus dem Obergraben der Mühle entnommen und nach Gebrauch  unterhalb der Dreschmaschine dem Graben wieder zugeführt. Hergestellt wurden ca. 70 Paar Leisten pro Tag. Als 1880 Wilhelm Kropff im Alter von nur 29 Jahren starb, hat Franz Vollmer die Ölmühle, Dreschmaschine, Schuhleistenfabrik in den Oehlen und die Mahl- und Sägemühle an der Ruhrstrasse mit einigen Hilfskräften weitergeführt. Später kamen die Söhne Theodor und Xaver dazu. Im Jahre 1900 lieferte die Fa. Schlinkert eine 10 Ps starke Dampfmaschine zum Betreiben einer großen Kreissäge mit einem Sägeblattdurchmesser von 1,50 m. Da für diese Dampf- Kreissäge (zum Schneiden von Bahnschwellen) eine Genehmigung erforderlich war, welche aber nicht vorlag, wurde ein Strafbefehl über 32,10 Mark StTheodor Vollmer beim Angelnrafgeld ausgestellt. Bei einem Großbrand am 26. Aug. 1918 wurden alle Anlagen und Maschinen zerstört, wegen der „Kriegswichtigkeit“ wurde alles sofort wieder aufgebaut. Vor dem Großbrand stand in dem Gebäude der Ölmühle auch noch ein „Horizontalgatter“ und ein „Kurzhub- Vertikalgatter (Marke Eigenbau). In jüngerer Zeit wurde umgestellt auf: Sägewerk, Holzmehlmühle, Kisten – und Palettenfertigung, Bauholz usw. Außerdem wurde bei Vollmers gedrechselt, gewebt und geklöppelt.  Eigentümer waren bis 1877 Johann Vollmer, von 1878 bis 1912 Franz und von 1912 bis 1939 sein Sohn Theodor, aus erster Ehe. Bis 1952 war dann Xaver Vollmer Eigentümer. So wurde nach und nach von der Ölmühle und Dreschmaschine die „Sägemühle am Stausee“.
Die Bezeichnung: am Stausee kam natürlich erst nach dem Bau des Sees, ab 1930, vorher war die Bezeichnung: in den Oehlen. In der Silvesternacht 1933 um punkt Null Uhr wurde das Werk erneut durch Feuer total vernichtet. Die Ursache des Feuers ist nie geklärt worden, es wurde Brandstiftung vermutet. Wieder wurde das Werk aufgebaut und Betriebswohnungen angebaut, denn nach dem Wohnhausbrand im Oktober 1948 an der Ruhrstrasse wurde es fester Wohnsitz der „Vollmers“.

Sägemüllers am StauseeSägemüllers im Winter











Unfall beim Holztransport und Vorbereitungen zum SägenUnfall beim HolztransportVorbereitungen zum Sägen











Zweihand-Elektokettensäge und KistenfertigungKistenfertigungZweihand-Elektokettensäge











LuftaufnahmeVollmers heute











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