Die Firmen Schlinkert in Olsberg

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Wohnhaus und ehem. Fabrik der Familie SchlinkertBei den Recherchen zu dem Bericht über die Schriftstellerin Martha Schlinkert, (siehe unter Historisches im Oktober), haben sich zu den Firmen Schlinkert  einige interessante Sachverhalte ergeben.
Zunächst betrachten wir die Familien.


Wohnhaus und ehemalige Fabrik der Familie SchlinkertFamilien Schlinkert in Olsberg
Die Familie Anton Schlinkert aus Meschede verlegte um 1893 ihren Firmensitz nach Olsberg. Aus der ersten Ehe mit Elisabeth Balkenhol aus Assinghausen gingen vier Söhne hervor:
- Engelbert 18.12.1871 – 11.09.1931
- Heinrich   07.08.1873 -      ?
- Anton       20.08.1876 – 16.05.1933
- Josef        02.10.1880 -      ?

Die Mutter Elisabeth starb im Kindbett. Anton heiratete dann in 1881 Maria Wohnhaus der Familie SchlinkertEilinghoff aus Gevelinghausen. Kinder aus dieser Ehe waren:
Therese 02.12.1882 -     ?     und
Alois 12.12.1887 -       ?
 
Kinder von diesen sechs Geschwistern:
Engelbert hat vermutlich um 1900 das „Schlinkertsche Haus“ (heute Haus Kaiser) gebaut, war Hobby-Imker und in Olsberg einziger Besitzer einer Honigschleuder. Aus der Ehe mit Berta Balzer-Prein aus Schmallenberg gingen drei Kinder hervor:
Katharina (Käthe) 1909 - 1993  verh. mit Paul Nießing 1903 – 1956
Josef (Erwin) 1911 – 1977 verh. mit Martha geb. Galinski 1913 – 1979
Angelika 1914 – 2009 verh. mit Karl Kaiser 1909 – 1978
Aus der zweiten Ehe mit Maria Kessler aus Freinohl gingen noch drei Töchter hervor: Maria, Elisabeth und Antonie, sie sind alle klein verstorben.
 
Heinrich und Therese Lange aus Bigge hatten 11 Kinder:

Heinrich   1905 Realschullehrer
Elisabeth 1907 verh. Militzer
Franz 1908 verh. mit Schmitte, Bigge
Johanna 1910 Vinzentinerin
Magdalene 1913 verh. Hahne
Wilhelm 1917 hatte Kinderlähmung
Robert 1918  im Krieg gefallen
Theresia 1920 verh. Schmücker
Anna 1922  verh. Beule
Franziska 1924 verh. Ditz
Gertrud 1924 verh. Vorderwülbecke 


Anton
war als Franziskaner in Brasilien
 
Josef und Maria Briol hatten 9  Kinder; Hermann, Sophie, Maria, Franziska, Margarete, Josef, Elfriede, Anton und Karl.
 
Therese, von ihr ist nichts bekannt.
 
Alois und Therese Schümmelfeder hatten 6 Kinder; Alois, Johannes, Paul, Werner, Norbert und Mia. 
 
Die Firmen Schlinkert in Olsberg
Im Jahre 1893 wurde der damalige Firmensitz von Meschede nach Olsberg verlegt. Die Firma nannte sich ab ca. 1895 „Maschinenfabrik Gebrüder Schlinkert“. Hergestellt wurden „Heissdampf-Motore“.

Dampfkraftmoter No. 1 Dampfkraftmoter No. 2 Dampfkraftmoter No. 3

Diese fanden bei den Handwerksbetrieben Verwendung, vor allem in Schreinereien, Drechslereien, Stellmacherwerkstätten und Sägewerken, denn diese Betriebe konnten hiermit ihren Holzabfall wirtschaftlich verwerten. In noch vorhandenen Verkaufsunterlagen wurden die neuen „Patent - Heissdampfmotore“ als eine in Konstruktion und Ausführung vollkommene, dauernd ökonomisch arbeitende Kraftmaschine angeboten .Im Jahre 1900 erhielt die Firma von der Handwerkskammer ein Ehren Diplom mit Goldmedaillen, denn die Firma war seit vielen Jahren der alleinige Spezialist in der Fabrikation von Dampfmotoren.
Entsprechende Referenzschreiben liegen vor. Im Jahre 1903 bekam die Firma eine Urkunde mit Goldmedaille für vorzügliche Leistungen der Maschinenfabrik von den Handwerkskammern Arnsberg, Dortmund und Münster.

Urkunde von den Handwerkskammern Arnsberg, Dortmund, Münster Urkunde der Handwerkskammer Ansberg

 
FirmenlogoDer Landwirt Kahle- Remmers hat in 1925 rd. 35.000 m² Feld- und Wiesenfläche im Bereich der Emmet an die Gemeinde für Bauland verkauft. Dadurch wurde es Schlinkerts möglich, im Jahre 1930 ein größeres Grundstück zu erwerben, um eine große Maschinenfabrik am Drönkerweg zu bauen, beziehungsweise anzubauen. Die Firma nannte sich „Maschinenfabrik Heinrich Schlinkert“. Sie wurde zum führenden Hersteller von „Flott“ Bandsägen. Eine dieser Sägen ist noch heute bei der Schreinerei Wilhelm Körner in Olsberg im Betrieb, ein Zeichen für sehr hohe Qualität. Die Firma wurde von Franz Schlinkert (Sohn von Heinrich) übernommen, den man im Volksmund „Schlinkerts Fuchs“ nannte.
FabrikhalleRückläufige Auftragseingänge hatten zur Folge, dass Teile der Fertigungshallen „Artfremd“ genutzt werden mussten. Viele Jahre war hier der Korndreschkasten der Gemeinde stationiert.
Danach produzierte dort die Firma Göbel (heute Scharfenberg) große Kunststoff-Spritzteile. Für den Bereich „Ziviler Bevölkerungsschutz“ des Malteser-Hilfsdienstes waren über viele Jahre zwei Goßraum-Krankentransportwagen untergestellt.
Altersbedingt (und ohne Nachkommen) wurde die Firma aufgegeben und in 1965 abgebrochen.
Eine Anmerkung zum Schmunzeln. Im Büro von Schlinkerts Fuchs hing ein Schild mit dem Hinweis: „Fasse dich kurz, oder hilf mir arbeiten“!
Erwin Schlinkert am Schreibtisch 
Engelbert trennte sich um 1920 von Bruder Heinrich und gründete seine eigene Firma am Eingang zum Drönkerweg. Er fertigte Bandsägen und Schleifmaschinen. Sein Firmenlogo war: „Maschinenfabrik Olsberg“. Als er 1931 verstarb, übernahm sein Sohn Josef (Erwin), mit gerade 20 Jahren, die Firma des Vaters.
  
Bandsäge
BandsägeIn schlechten Zeiten wurde oft eine Bandsäge gegen ein Schwein getauscht. Noch heute fragen Bauern nach Ersatzteilen. Es wurden auch die verschiedensten Metallteile mechanisch bearbeitet. Josef  (Erwin) war immer ein „Ruheloser Fabrikant“, man sah ihn fast nur im Arbeitskittel, oft mit einer guten Zigarre. Anfang der siebziger Jahre  wurde das Anwesen verpachtet, später verkauft, nachdem im Gewerbegebiet „In der Ramecke  1958 die neue Fabrikhalle gerichtet und 1960 bezogen wurde. Das Wohnhaus wuFabrikhalle in der Rameckerde später angebaut und in 1972 bezogen.

Abstich am Ofen
Eine Halle war für mechanische Metallbearbeitungen und in einer weiteren Halle wurde eine Gießerei für Aluminium- Bronze- und zunächst auch Grauguss eingerichtet. Nach dem Tod des Vaters 1977 wurde die Firma von Sohn Hans-Georg übernommen und unter dem GießenNamen: „Maschinenbau-Metallgießerei“ weitergeführt.
1985 wurde die Firma saniert, die Belegschaft reduziert und die Gießerei verpachtet. Noch heute befinden sich einige Einrichtungsteile, der ehemaligen Metallgießerei Schlinkert, in der Lehrgießerei im alten Kloster Bredelar.
 
Krankheitsbedingt wurde Hans-Georg Schlinkert zur Geschäftsaufgabe gezwungen. 1995 wurde die Fabrikhalle an Herrn Heiner Müthing verpachtet, die Maschinen und den Kundenstamm hat er käuflich erworben. Nach einigen Jahren hat sich die Fa. Müthing in Assinghausen angesiedelt.
Heute sind die Firmengebäude „In der Ramecke“ untervermietet.

Gussbild Gussbild Abguss


Nicht unerwähnt bleiben soll das „Lebensmittelgeschäft Schlinkert“, welches auch im Drönkerweg angesiedelt war. Hier war Franziska (Ditzes Fränze) geb. Schlinkert die Chefin. Paul und Theresia Schmücker, geb. Schlinkert waren Betreiber einer Tankstelle an der Hüttenstrasse, eine weitere Tankstelle und Fahrschule betrieb Karl und Anni Beule geb. Schlinkert, die Tochter vertrieb dort später Deko-Artikel und deren Mann ein Versicherungsbüro. Dass die Großfamilie Schlinkert „Geschäftsleute“ waren und sind, zeigt sich heute noch durch die „Gärtnerei mit Blumengeschäft“ Willi und Trude Vorderwülbecke, geb. Schlinkert, heute Sohn Willi. Die Tochter Hiltrud, die lange Jahre ein eigenes Blumengeschäft führte, lebt heute in Dänemark.
Nach sicherlich sehr guten Blütezeiten der verschiedenen Firmen ging doch für einige ein Stück „Olsberger – Firmengeschichte“ zu Ende.
 
 
Quellennachweis:
Urkunden, Aufzeichnungen und Bilder von Fam. Schlinkert
Bild vom Firmenlogo von Ralf Körner
Dialoge und Bilder von Wilfried Rosenkranz

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