20 Jahre Caritas Warenkorb in Brilon

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artikelbild regionalesBrilon. Vor 20 Jahren wurde der erste von heute insgesamt vier Warenkorb-Standorten der Caritas in Brilon eröffnet. „Deshalb ist die Freude über die Feier eines 20-jährigen Jubiläums nicht ganz ungetrübt. Dieses Jubiläum bedeutet, dass wir in Brilon seit 20 Jahren den Bedarf hatten und haben, Menschen mit Nahrungsmitteln zu unterstützen, und zwar mit stetig steigendem Bedarf“, betonte Heinz-Georg Eirund, Vorstand Caritasverband Brilon, jetzt im Kreise der ehrenamtlich Engagierten sowie den Wegbereitern und Begleitern aus dem Lebensmittelhandel und der Kommune. An diesen Kreis richtete sich die Dankeschön-Feier für das Engagement, die Solidarität und langjährige Unterstützung. 

Das ehrenamtliche Engagement für den Warenkorb Brilon in 20 Jahren in Zahlen: Über 1.000 Öffnungstage, 20.000 ehrenamtliche Einsatzstunden, 5.000 Fahrten zu Supermärkten, Bäckereien und Lebensmittelspendern wurden geleistet und organisiert. Was Organisation mitunter bedeutet, berichtete Birgid Schultze-Neumann, Leiterin des Warekorbes Brilon, anschaulich an zwei weiteren Zahlenbeispielen: „Auch das gehört zur Arbeit, wenn mittwochs um 11 Uhr der Warenkorb öffnet: 20 Kilo Zwiebeln und 1.000 Eier zu verteilen, die kurzfristig gespendet wurden.“ Betont werden muss, dass Überschuss aber nicht die Regel ist. Der Hilfebedarf steigt stetig, auch mit Blick auf globale wie nationale Krisen, betonte Vorstand Eirund. In der Regel es ist der Mangel, mit dem die Engagierten der Warenkörbe hantieren müssen.

Aktuell herrscht im Warenkorb Brilon Aufnahmestopp. Die Warteliste wird länger. Im Drei-Wochenrhythmus werden insgesamt 306 Erwachsene und 177 Kinder aus Deutschland, der Ukraine, Syrien, der Türkei und Afghanistan versorgt. Die Zahl der Bedürftigen wächst ebenso in den Warenkörben Olsberg, Winterberg und Medebach / Hallenberg. Besonders prekär: „Altersarmut und Kinderarmut steigen massiv“, betonte Vorstand Eirund. „Es sind viele Kinder, die ohne eigenes Zutun in Armut und ohne Teilhabe leben müssen.“

„Als Christen sind wir in der Verantwortung und es ist natürlich eine urcaritative Aufgabe, Menschen Brot zu reichen, wenn sie hungern, unabhängig von Herkunft oder Hautfarbe, ohne Wenn und Aber“, sagte Eirund. Aber: „Armut darf kein Dauerzustand in unserer Gesellschaft bleiben. Es müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, dass Armut aus diesem reichen Land verschwindet“, so der Caritas-Vorstand. Dazu gehöre auch, sachlich zu bleiben und zu sehen, dass „eben nur ein sehr geringer Teil der Sozialhilfeempfänger das System missbraucht“. Ursachen für Armut seien vielfältig, ebenso komplex: Psychische Erkrankungen beispielsweise, die in Krisenzeiten zu nehmen. „Sicher ist auch, dass viele Sozialhilfeempfänger nicht Verursacher der aktuellen Krisen sind, die dazu beitragen, dass Menschen in Armut geraten“, sagte Eirund.

Armutsursachen sind vielfältig, komplex und Armut ist nicht aufs Materielle zu beschränken, auch daran wurde im Rahmen der 20-Jahr Feier erinnert. Es geht auch um die Würde des Menschen. Wie fühlt es sich an, nicht teilhaben zu können? Was fühlen Kinder, die nicht auf Klassen- und Ferienfreizeit fahren können? Armut grenzt aus. Armut macht einsam. „Armut in Deutschland spaltet und bedroht den sozialen Frieden in unserer Gesellschaft“, sagte Vorstand Eirund, auch mit Blick auf den Rechtspopulismus. Eine Haltung, an die auch Bürgermeister Christof Bartsch in seiner Rede anknüpfte. „Wir müssen Armut breiter denken, als nur in der Frage des Existenzminimum“, sagte Bürgermeister Bartsch. Es gehe auch darum, Fragen und Probleme der Verteilung in einem an sich wohlhabenden Land zu lösen. Es sind komplizierte Fragen, deren Antworten man nicht den Rechtspopulisten überlassen dürfe. Das führe dazu, dass manche Kundengruppen der Warenkörbe noch stärker ins Abseits gedrängt würden, waren sich Bürgermeister Bartsch und Vorstand Eirund einig. Um ärmeren Menschen konkrete Hilfe anzubieten, wurde bereits über die Gründung eines Solidaritätsfonds gesprochen, der in Kooperation zwischen Caritas, Kommunen, Kirchen und Industrie laufen soll. „Und in der auch die Bürgerschaft miteinzubeziehen wäre“, sagte Bürgermeister Bartsch.

Konkret helfen, das tun seit über 20 Jahren bereits die Ehrenamtlichen, denen gemeinsam mit den jahrelangen Lebensmittelspendern die Feierstunden in der Caritas Werkstatt Hinterm Gallberg gewidmet waren. „Ohne das Ehrenamt wären die Warenkörbe weder denkbar noch durchführbar. Die Würdigung Ihres Engagements kann nicht groß genug sein“, betonte Vorstand Eirund mit Blick auf die Ehrenamtlichen. Der Warenkorb Brilon wurde am 26.11.2003 in der damaligen Caritas-Geschäftsstelle am Markt eröffnet. Zu der Zeit gab es in Brilon 457 Sozialhilfeempfänger, darunter 183 Kinder und 110 Asylbewerber. Die Arbeitslosenquote lag in Brilon bei 7,5 Prozent. Das war die Ausgangssituation für die Gründung des Warenkorbes. Besonders freuten sich Eva Dufhues (Leitung der Caritas Warenkörbe) und Elisabeth Schilling (Fachbereichsleitung Beratung und Offene Hilfen) auch die Gründergeneration des Warenkorbes Brilon begrüßen zu können. Zu den Pionieren gehören unter anderem Ulrich Keuthen (Caritas Geschäftsführer a.D.) und Uli Schilling, dessen Handschrift auch die anderen Warenkörbe geprägt haben. „In dem System der Warenkörbe war Uli Schilling die tragende Säule“, betonte Vorstand Eirund.

Neben den Säulen von Haupt- und Ehrenamt wurde bei der Feierstunde ein weiteres Fundament für den Warenkorb benannt und sich bei den Akteuren bedankt: Zu den solidarischen Wegbegleitern gehören viele einzelne Geldspender sowie Vereine, Unternehmen, Supermärkte, Bäcker, Einzelhandel und Banken.

Zum Abschluss des offiziellen Programms betraten überraschend zwei Abgesandte des weltgrößten Schalkefanclubs die Bühne mit einem Geschenk in Händen: Geschäftsführer Ludwig Albracht und Sportwart Peter Hoffmann vom Schalke-Fanclub Königsblau Brilon e.V. überreichten Birgid Schultze-Neumann einen Spendenscheck über 1.904 Euro zum 20-jährigen Bestehen des Warenkorbs Brilon. „Damit wollen wir erneut, Menschen in unserer Heimat unterstützen“, so die Schalke-Fans, die bereits in 2022 die gleiche Summe für den Warenkorb gespendet hatten.

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In der Feierstunde in der Caritas Werkstatt Hinterm Gallberg wurden das Engagement der Ehrenamtlichen des Warenkorbes Brilon gewürdigt.

Foto: Caritas Brilon / Sandra Wamers

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