Caritas Brilon demonstriert vor dem Landtag in Düsseldorf

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artikelbild regionalesAltkreis Brilon / Düsseldorf. Mehr als 22.000 Menschen aus ganz Nordrhein-Westfalen haben am Donnerstag vor dem Landtag in Düsseldorf für den Erhalt der sozialen Infrastruktur demonstriert – unter den Demonstranten auch eine 45-köpfige Delegation aus der Dienstgemeinschaft des Caritasverbandes Brilon. Das Motto: NRW BLEIB SOZIAL! Nach Angaben von Polizei und Veranstaltern wurde die ursprünglich erwartete Besucherzahl um das Vierfache übertroffen. „Damit können wir nicht überhört und übersehen werden“, sagte Heinz-Georg Eirund, Vorstand des Caritasverbandes Brilon. Solidarität untereinander prägten die Stimmung während der Kundgebung, zugleich enorme Frustration und Verärgerung auf das politische Parkett in Blickweite des Kundgebungsplatzes.

Den Protest hatte die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege NRW organisiert, in der sich große Träger sozialer Dienste und Einrichtungen, wie beispielsweise Caritas, AWO oder Diakonie, zusammengeschlossen haben. 22.000 Mitarbeiter*innen aus 140 Organisationen forderten auf der Demo mehr Geld und mehr Wertschätzung für die Arbeit mit und für Menschen, und zwar „Von der Wiege bis zur Bahre“, wie es auf den Protestschildern der Caritas Brilon zu lesen war. Vor dem Landtag standen trägerübergreifend Erzieher*innen neben Pflegefachkräften, Heilerziehungspfleger*innen neben Sozialarbeiter*innen Schulter an Schulter – ein deutliches Zeichen dafür, dass es in der gesamten Sozialen Landschaft brennt. „Wir brauchen für manche Bereiche sofort ein Rettungspaket“, forderte Christian Woltering, Vorsitzender der freien Wohlfahrtspflege in NRW. Nötig sei ein Plan, der die soziale Infrastruktur langfristig sichere.

Eine Forderung, der sich auch Heinz-Georg Eirund, Vorstand Caritasverband Brilon, anschloss. „Die Wohlfahrt darf nicht als Bittsteller von der Politik wahrgenommen werden. Auch haben wir genug Worte aus Politik und Verwaltung gehört. Was wir jetzt fordern, sind klare und absichernde Entscheidungen, die uns beweisen, dass wir uns auf die Politik verlassen können.“ Dabei gehe es um Wertschätzung gegenüber sozialer Professionen; zugleich zählt konkret Geld, das dringend gebraucht wird.

Um die soziale Infrastruktur – auch und vor allem in einer ländlichen Region – zu halten, forderte Vorstand Heinz-Georg Eirund: „Gesetzgeber und Kostenträger wollen auch im Sozialen Trägervielfalt, Tariftreue samt Wettbewerb. Das wollen wir auch, aber das muss refinanziert werden. In vielen Bereichen tragen wir

als Anbieter sozialer Dienstleistungen zu hundert Prozent allein das Risiko. Deshalb muss in Zukunft ein angemessener Wagnis- und Risikozuschlag rechtlich verpflichtend eingepreist werden.“ Ebenso müssen auch im Sozialen zukunftsweisende Themen wie Digitalisierung und Klimaschutz sowie Personalstrategien gegen den Fachkraftmangel angegangen und daher finanziert werden. An dem Thema Personal-Mangel sind weitere Problemlagen geknüpft: mehr Krankheitsfälle durch Überlastung, höhere Kosten durch Einsatz von Zeitarbeit, intensivere Personalentwicklung aufgrund von Bildung-, Bindung- und Akquise-Maßnahmen. So müsste auch der sogenannte Overhead in sozialen Einrichtungen wie Personal- und Organisationsentwicklung, Controlling, IT und der gesetzlich definierte Datenschutz monetär hinterlegt werden. Auch über diese Bereiche würde Politik sehr gerne sehr viel reden, zugleich zu wenig handfest tun. „Die Zeit der Lippenbekenntnisse ist jetzt vorbei. Es gibt Insolvenzen, Einrichtungen und Dienste müssen schließen“, sagte Vorstand Eirund. Er forderte weiter nach mehr Transparenz, Schnelligkeit und Angemessenheit in Form von kostendeckenden Entgelten in Verhandlungen mit Kostenträgern, die ebenfalls besser ausgestattet werden müssten. „Es ist eine politische Forderung, zugleich ein gesamtgesellschaftliches Bekenntnis, welche Prioritäten wir in unserem Land setzen möchten.“

 Die 22.000 Demonstranten standen stellvertretend für die gesamte soziale Branche. „Wir stehen gemeinsam vor dem Landtag und müssen laut werden, damit die Politik den erreichten Kipppunkt des Sozialsystems endlich ernst nimmt und nach Lösungen sucht. Wir brauchen Absicherung, damit wir unseren Professionen nachkommen und unseren Fokus wieder auf unsere Arbeit für die Menschen richten können“, sagte Caritas-Vorstand Heinz-Georg Eirund.

 Caritas Demo D2

Vom Caritasverband Brilon fuhren 45 Personen zur Kundgebung „NRW BLEIB SOZIAL!“ nach Düsseldorf vor den Landtag.
Fotos: Caritas Brilon / Sandra Wamers

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