Vier Sauerländer berichten von ihrer Reise 2024 in die Ukraine

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Bruchhausen/Winterberg. Tief bewegende Reise: Zwei Ehepaare aus dem Sauerland nahmen die lange Reise in die Ukraine auf sich, um vor Ort zu helfen, Spenden und Hilfsmittel zu verteilen, aber auch um den Menschen im Krieg Trost zu spenden. Vor Ort helfen, Spenden und Hilfsmittel verteilen, Trost spenden, sich Zeit für Begegnung und Gespräche nehmen – mitten in einem Krieg, der für die Menschen in der Ukraine nach zwei Jahren Alltag geworden ist. Das war die Intention von vier Menschen aus dem Sauerland, die lange Reise in die Ukraine auf sich zu nehmen.

Zehn Tage waren Jan und Gerda van Egmond aus Winterberg sowie Elisabeth Hoffmann-Weber und ihr Mann Heinrich Weber aus Bruchhausen unterwegs: von Lviv aus bis 200 Kilometer vor Kviv. „Taurus, Flugabwehrraketen, schweres Material –das sind die Diskussionen, die hier in Deutschland und in Europa geführt werden. Man sollte bei all dem die Menschen nicht vergessen“, so Elisabeth Hoffmann-Weber, die die ganzen Eindrücke der Reise erstmal verarbeiten muss.

Vorgeschichte

Durch den Kontakt zu den Eheleuten van Egmond vom Winterberger Verein „Kipepeo – fair und sozial“, die bereits zum vierten Mal in der Ukraine waren, entstand die Idee der gemeinsamen Hilfsaktion. Drei Mitglieder der Gruppe „Gora Dobra“ („Berg des Guten“), die 2023 von jungen Ukrainern und Ukrainerinnen gegründet wurde, begleiteten die Sauerländer auf ihrer Reise durch das Kriegsgebiet. Im Gepäck hatten sie Hilfs- und Hygienemittel sowie Medikamente vom St. Franziskus-Krankenhaus Winterberg, außerdem gesammelte Spenden über den Verein „Kipepeo – fair und sozial“. Zudem bekamen sie finanzielle Unterstützung durch Spendensammlungen von den Caritas-Konferenzen, dem Seniorenbeirat und der Offenen Tür der Stadt Winterberg.

„Verlierer des Krieges“

Die Hilfsgüter brachten sie in Alten- und Pflegeheime, Einrichtungen für behinderte Menschen und Kinderheime. „Hier leben die eigentlichen Verlierer des Krieges, die keine Chance zur Flucht haben“, sagt Elisabeth Hoffmann-Weber. „Bei den Besuchen nahmen wir uns Zeit für Begegnungen und Gespräche. Diese Menschen leben in Einrichtungen, die weit abseits von den Wohngebieten stehen – in für unser Verständnis ärmlichsten Verhältnissen. Behinderte Kinder bleiben zumeist in ihren Familien, da es für sie keine Stätten, in denen sie betreut und gefördert werden, gibt.“

Begegnungen mit jungen Soldaten

Die Begegnungen in einem Krankenhaus mit jungen Soldaten, die entweder ein Bein oder einen Arm verloren hatten, blieben bei der Bruchhauserin besonders in Erinnerung: „Eine Mutter erzählte uns unter Tränen, dass ihr 22-jähriger Sohn beide Beine verloren, ihr Mann an der Front einen Schlaganfall erlitten habe und auch ihr weiterer Sohn an der Front sei.“ Männer zwischen 25 und 60 Jahren können zum Einsatz verpflichtet werden. „Eine Ukrainerin, die seit zwei Jahren mit ihrer Tochter in Winterberg lebt, und uns auf unserer Reise begleitete, bangt um ihren 45-jährigen Mann, der in Charkiw lebt (1500 Kilometer von Lviv und 2800 Kilometer von Winterberg entfernt), dass er eingezogen wird“, berichtet Elisabeth Hoffmann-Weber von einem weiteren Schicksal. Er habe keinerlei militärische Erfahrung. „So sorgen sich viele Ukrainerinnen, die bei uns in Deutschland leben, um ihre Männer. Ob sie sie je wiedersehen?“

Doch trotz der grausamen Erfahrungen im Krieg wollen die meisten Soldaten wieder zurück an die Front, „um ihre Kameraden nicht allein zu lassen und weiter für ihr Land zu kämpfen“, erfuhr die Gruppe aus Deutschland im Gespräch mit einem behandelnden Arzt.

Ein medizinisches Problem der Soldaten in den Krankenhäusern sei fehlende Narbensalbe für die amputierten Beine und Arme, die in der Ukraine kaum zu erhalten und sehr teuer sei. Deshalb ist eine Initiative von „Gora Dobra“ die „Erste-Hilfe-Rucksack-Aktion“. In erster Linie enthalten die Rucksäcke Material zur Wundversorgung: sterile Verbände, Kompressen, Desinfektionsmittel. „Mit dem medizinischen Inhalt dieser Rucksäcke können Rettungssanitäter und Ärzte bis zu 15 verwundete Soldaten retten“, erklärt Hoffmann-Weber. „Wir Sauerländer konnten mit den Spenden und Erlösen aus Aktionen sieben Rucksäcke an die Front schicken.“

Aber es wurden auch vor Ort Waren gekauft: Ein Pflegeheim erhielt beispielsweise eine neue Waschmaschine. „Es macht keinen Sinn, so etwas von Deutschland mitzunehmen. Es gibt die Waren dort in den Geschäften zu kaufen und hilft den Händlern, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.“

Besuch eines Gräberfeldes

Tief bewegt waren die Sauerländer auch vom Besuch eines Gräberfeldes in Lviv, auf dem bereits 350 getötete Soldaten liegen. „Die Gräber sind bunt geschmückt mit vielen frischen Blumen. Man sieht, dass sie jeden Tag besucht werden“, erinnert sich die Bruchhauserin. „Allerdings sieht man auch, dass die Erweiterung für weitere Gräber schon vorbereitet ist.“

Wie ist es, in einem Land im Krieg zu leben? „Ich plane nicht für vier Wochen im Voraus“, beantwortet die 35-jährige Ukrainerin Tanya, eine Begleiterin der Gruppe, diese Frage. „Wir haben gelernt, von einem zum anderen Tag zu leben.“

Zurück in Deutschland

Die Bilder, die Menschen, das Erlebte begleiten die beiden Ehepaare auch noch in Deutschland. „Wir können nur hoffen, dass die westlichen Regierungen erkennen, was auf dem Spiel steht. Dass sie der Ukraine so helfen, dass Putin den Krieg militärisch nicht gewinnen kann. Und, dass es dann Friedensverhandlungen gibt.“

Spenden

Geldspenden werden gerne angenommen, da in der Ukraine viele Dinge vor Ort gekauft werden können. Spendenkonto des Vereins „Kipepeo – fair und sozial“: IBAN DE94 4606 2817 5191 0311 00 Volksbank Sauerland eG oder IBAN DE58 4165 1770 0000 0042 75 Sparkasse Hochsauerland, Kontoinhaber: Kipepeo, Spende: Ukraine.

Bild oben: Tief bewegt waren die Sauerländer vom Besuch eines Gräberfeldes in Lviv, auf dem bereits 350 getötete Soldaten liegen. Die Erweiterung für weitere Gräber ist schon vorbereitet.

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Jan und Gerda van Egmond, Heinrich Weber und Elisabeth Hoffmann-Weber und die ukrainischen Begleiter kauften vor Ort eine Waschmaschine und übergaben sie an ein Pflegeheim.

Fotos: Privat

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