Goldenes Kommunion-Jubiläum im Jahre 1962

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Anlässlich seines „Goldenen Kommunion-Jubiläums“ hat vermutlich Hermann Körner das Gedicht mit dem Untertitel „Aus der Jugendzeit“ verfasst. Es ist eine Beschreibung der Zeit um 1912, denn außer über das Jubiläum wird auch über fast alle weiteren Ereignisse und Begebenheiten berichtet.

Aus der Jugendzeit

 

1912 wars, vor fünfzig Jahren,

in Olsberg hatten wir auch Mission;

die Patres wollten ja das Dorf bekehren,

und wir gingen zur ersten hl. Kommunion.

 

Als Knaben konnten wir den ersten Anzug tragen,

und bekleidet auch mit langen Hosen;

dazu eine Krawatte oder Schillerkragen,

die Nägel fehlten unter den Schuhsohlen.

 

Die Mädchen trugen schwarze Kleider,

wie weiße damals keine Mode waren;

dazu passte aber doch der schöne Schleier.

Aber Lackschuhe durften sie nicht tragen.

 

In die Schule gingen wir alle gerne,

von frühmorgens bis zum Nachmittag;

doch zum Spazierengehen, wohl in die Ferne,

davon wurde selten auch Gebrauch gemacht.

 

Es passierte öfters, ja es war ein Graus,

denn damals regierte noch der Stock;

der Ruf erschall: „Du Flegel komm mal raus!“

oh weh, wer dann war der Sündenbock.

 

Die Mädchen hatten das Vergnügen,

eine ganze Predigt aufzuschreiben;

und sollte dieses auch noch nicht genügen,

dann mussten sie die Hände offen zeigen. erstkomm3.jpg

 

In der Kirche haben wir auch sehr gefroren,

weil darin noch keine Heizung war;

an Füßen, Händen und auch Ohren,

das Geld war damals noch sehr rar.

 

Unsere Väter mussten sich doch quälen,

die Woche hatte damals sechzig Stunden;

an Freizeit war ja nicht zu denken,

ein Gesetz für Urlaub war noch nicht gefunden.

 

Auch die Mütter hatten ihre Sorgen,

von morgens früh bis abends spät;

und dachten stets, was koch ich morgen,

wenn dann noch Kinder kamen wie gesät.

 

Kuchen gab es nur an hohen Festen,

aus Chiegorien wurde Kaffee dann gebraut;

das Fleisch am Mittag öfters ja noch fehlte,

des Sonntags gab es meistens Sauerkraut.

 

Fünf Pfennig kostete nur ne „Alten“,

das große Glas Bier zwar einen Groschen;

doch wusste jeder in etwa Maß zu halten,

weil früher die Taler noch nicht so rollten.

 

In den Häusern brannte kein elektrisch Licht,

es gab keinen Motor und keine Waschmaschine;

die Petroleumslampe stand dann auf dem Tisch,

für den Stall musste eine alte Funsel dienen.

 

Im Steinbruch war ein Mann sehr rührig,

er blies, und dann gab es einen lauten Knall;

doch konnte er nur platt küren,

in dem Walde hörte man den Widerhall.

 

Ein alter Förster war stets auf der Hut,

den Holzdieb hatte er bald dann am Schlafittchen;

und schrieb ihn gleich wohl in sein dickes Buch,

die Berge hören doch den Interessenten.

 

Einen Ortsdiener werdet ihr noch alle kennen,

und wissen, wen ich da wohl meine;

seinen Namen brauche ich nicht zu nennen,

er ging mit seinem Prinz durch die Gemeinde.

 

Im Dorfe gab es zwei alte Originale,

der eine flickte oft die alten Körbe;

der andere wohl an seinem Pfeifchen nagte,

und jeder trank am Tage nur zwei Schnäpse.

 

Das alte Bauernhaus ist längst verschwunden,

die Pferde schauten aus dem Fenster raus;

und Erben sind nicht mehr vorhanden,

der Platz sieht jetzt viel schöner aus. erstkomm2.jpg

 

Auch gab es damals ja nur eine Schule,

die Bänke waren aus Eichenholz gemacht;

nun sitzt jedes Kind auf seinem Stuhle,

und mogeln wäre heute nicht mehr angebracht.

 

Von Politik wurde wenig ja gesprochen,

das ging uns Kinder gleichsam auch nichts an;

in Frieden konnten wir ja ruhig leben,

und singen: „Der Kaiser ist ein lieber Mann“.

 

Ein stolzes Schiff fuhr auch wohl übers Meer,

es war sehr schnell und wollte das blaue Band erringen;

doch plötzlich stellte sich ein Eisberg quer,

leider mussten viele Fahrgäste dann ertrinken.

 

Meine Weisheit ist hiermit zu Ende,

wie’s damals war in unserer Jugendzeit;

die Zukunft legen wir nun in Gottes Hände,

in fünfzig Jahren ist alles vorbei.

 

Bearbeitet von Wilfried Rosekranz, geschrieben vermutlich von Hermann Körner, Olsberg Wilhelmstrasse?

(Unterschrift ist nur: 31.5.62 H. K.)


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