Bierbrauen im Sauerland und in Olsberg

bierbrauenvortext.jpgEin Sauerländer Sprichwort sagt: "Bier schmeckt solange die Tannen grün sind" - also immer!

Nun was ist überhaupt Bier?

Im eigentlichen Sinn ist Bier ein Alkohol - und kohlensäurehaltiges Getränk, welches durch Gärung aus den Grundzutaten: Wasser, Malz und Hopfen gewonnen wird.Für den Gärvorgang wird meistens Hefe zugesetzt. Der Alkoholgehalt liegt in der Regel zwischen 4,5 und 6,0 Prozent. Über den Ursprung des Wortes "Bier" gibt es keine geschicherten Erkenntnisse, vermutlich stammt es von "biber" (lateinisch "Getränk") ab.

Einen Erfinder des Bieres gibt es nicht!

 

Schon die Sumerer kannten Bier. Auch die alten Germanen sollen einen ungeheueren Bierdurst gehabt haben. In ihren Fäusten sollen sie immer Trinkhörner gehalten haben. Wir, die Nachkommen singen heute noch: „Es wohnten die alten Germanen zu beiden Seiten des Rhein’s, sie lagen auf Bärenhäuten und tranken immer noch ein’s“.

 

Einst war das „Brauen“ Frauensache, wie kochen und backen.

Die Klosterbrauereien spielten eine große Rolle, auch die Nonnenklöster. Über die Braukunst hat sich zuerst die „Benediktinerin Hildegardis von Bingen“ wissenschaftlich ausgelassen. Sie war Ärztin und Naturforscherin, lebte von 1098 bis 1179, für die damalige Zeit unglaubliche 81 Jahre. War dies u. U. die Bestätigung, dass Bier gesund ist ??

Im Mittelalter galt Bier auch als geeignetes Getränk für Kinder. Es hatte einen geringeren Alkoholgehalt als heute und es war durch das Kochen der Bierwürze weitgehend keimfrei, was man vom Wasser nicht sagen konnte. Durch den hohen Kaloriengehalt war es auch eine wichtige Ergänzung zur oft knappen Nahrung.

 

Ein wichtiger Tag in der Biergeschichte ist der 23. April 1516, denn da wurde das noch heute gültige „Reinheitsgebot für Bier“ vom bayrischem Herzog Wilhelm IV auf dem Landständetag erlassen.

 

warsteiner.jpgDas Sauerland wurde anfänglich von den großen Brauereien im Ruhrgebiet (Dortmund) mit Bier beliefert. Aber schon vor 1600 taucht der Name „Cramer“ in der Geschichte Warstein’s auf. Gegründet wurde die Warsteiner Brauerei 1753. Von Konrad Cramer wissen wir, dass er im Kaiserschen Haus schon 1757 Bier braute. Der 22jährige Albert Cramer kam mit einem Braumeisterdiplom nach Warstein zurück. Ihm verhalf das in Kaisers Siepen entdeckte Brauwasser, von einmaliger Qualität, zu einer für kaum für möglich gehaltene Entwicklung des Unternehmens.

Heute ist man in über 60 Ländern im Markt.

 

veltins.jpg1824 begann der Gastwirt Franz Kramer aus Grevenstein damit, sein selbst gebrautes Bier nicht nur in der eigenen Gaststätte auszuschänken, sondern es auch in anderen Gasthöfen fassweise zu verkaufen. Die „Veltins Brauerei“ war geboren. 1883 entstand am Ortsrand die große Brauerei, in der Carl Veltins - die verheißungsvolle Analyse des Wasser’s aus eigenen Quellen in der Hand – den Versuch wagte, ausschließlich „Pilsener“ zu brauen.

Im Jahre 2006 wurden 2,63 Mio. hl gebraut.

 

 

 

westheimer.jpgAuch die Westheimer Brauerei blickt auf eine 140jährige Brauaktivität zurück. Eigentümer ist die Famlie "Josef Freiherr von Twickel" in der fünften Generation. Mit 45 Mitarbeitern wird überwiegend das "Westheimer Premium Pilsener" gebraut. Als Spezialität wird ein untergäriges und unfiltriertes naturtrübes Bier mit dem Namen "Wildschütz Klostermann" gebraut. Im wohl härtesten Biertest der Welt wurde auch 2007 diese Bierspezialität mit den Großen Preis der DLG in Gold ausgezeichnet.

 

In 1832 wird Kaspar Körner, Elleringhausen als Gastwirt und Bierbrauer genannt, ebenfalls Lorenz Tüllmann in Bigge, der auch noch Bäcker war. Ab dem 18. Mai 1855 wurde bei der Witwe Josef Bürger in Olsberg und ab dem 21. März 1860 bei Heinrich Koch in Bigge in so genannten Hausbrauereien Bier gebraut.

 

In Olsberg wurde schon vor Jahrhunderten Bier gebraut.

In dem im Jahre 1651 von dem Gerichtsschöffen Heinrich Kropff begonnenen Dorfbuch von Olsberg finden sich mehrere interessante Angaben über das Bierbrauen in Olsberg. Im Jahre 1655, am 03.August, wurde ein neuer Braukessel für das Dorf gekauft. Er wog 87 ½ Pfund und kostete mit Trinkgeld, Steuer und Fuhrlohn 26 Reichstaler. Der Dreifuß auf dem er stand, kostete für sich 3 Reichstaler. Der Kessel wurde einem Dorfeingesessenem gegen Pacht übergeben; diese betrug im Jahre 1655 fünf Reichstaler.

Dafür musste die jeweilige Benutzung gestattet werden.

Kropff vermerkte weiter, dass im Jahre 1619 tausend Schillinge Brausteuer eingekommen und für jedes verbrauchte Scheffel Malz hätte ein Schilling gezahlt werden müssen. Tatsächlich seien aber mehr als Tausend Scheffel Malz verbraut worden, denn manches habe man wohl zur Steuer nicht angemeldet, wie er als Steuererheber nachweisen könne.

 

der_bierbreuwer.jpgEs gab also in Olsberg keine Brauerei, sondern nur die erforderlichen Einrichtungen dafür, welche von jedermann gegen Bezahlung gemietet werden konnten. Vermutlich hat der Dorf-Braukessel anfänglich erst bei dem Gasthof Schulte-Schüppen gestanden, etwa ab 1604, dies ist aber nicht eindeutig bewiesen. Vorhanden sind bei Schulte –Schüppen Erlaubnisscheine aus den Jahren 1839 bis 1868, über den Betrieb einer Gast- und Schankwirtschaft.

Per Unterschrift und Stempel wurden die Genehmigungen in der Regel jährlich verlängert. Neben dem Gasthaus „Altdeutsche Bierstuben“ wird ein kurzer Weg „Braugasse“ genannt.

 

Am 04. November 1657 hat Johann Hester für zwei Jahre die Kesselgebühr von zwölf Rthlr bezahlt. Er will den Kessel noch ein Jahr behalten und dafür noch sechs Rthlr bezahlen, was er aber nicht konnte. Man ließ ihm fünf Rthlr nach, er sollte dies dem „Carnet“ geben für eine Reise nach Arnsberg.

Ab 1661 hat Caspar Krüper dann den Kessel für Jährlich 4 ½ Thlr zu sich genommen. Von Neujahr 1665 an hat Johann Hester den Braukessel wieder zu sich genommen, für 5 Reichstaler.

 

Nicht bloß die Einzelnen, auch die Dorfgemeinde hatte ihren Biervorrat und wenn einer für das Dorf einen Gang zu machen hatte, dann sorgte das Dorf für seinen Durst. Gelegenheit zu gemeinschaftlichem Trinken hat man anscheinend gern wahrgenommen.

 

Wohl im Herbst 1734 hatten die Olsberger den Helmeringhäuser Leuten, die auf Olsberger Grund „Frasen“ hackten, die Hacken abgenommen. Es entstand ein Streit mit dem Herrn von Brabeck, von dem die betreffenden Helmeringhäuser irgendwie abhängig waren. Am 12. Mai 1735 versammelte sich die Gemeinheit der Olsberger auf dem öffentlichen Bauerplatz. Es kommt ein Vergleich zustande. Im Namen des Herrn von Brabeck werden den Olsbergern die Kosten ersetzt, zudem wird der Gemeinheit eine Stärkung an Bier versprochen. Die Olsberger versprachen dagegen, den Helmeringhäusern in Zukunft die Frasen anzuweisen. Unsere Altvorderen haben anscheinend vom Vertragen mehr gehalten als vom Streiten, zumal wenn das Vertragen ein feuchtfröhliches war.

Das Sprichwort. „Bo de Brugger is, brouket de Bäcker nit te seyn!“ hat man anscheinend schon lange im Sauerland gekannt oder ist jedenfalls von seinem Sinn überzeugt gewesen.

 

fuerstenberg.jpgjosefsbraeu.jpgAnfang der 60ziger Jahre gab es in Olsberg fasst 30 Betriebe mit einer Konzession zum Bierausschank. Davon sind nicht viele übrig geblieben. Hieran sieht man, dass sich viele Lebens- und Trinkgewohnheiten der Menschen verändert haben.

Im Stadtgebiet "Olsberg" gibt es heute nur noch zwei Brauereien;  Die Gaugrebensche Hofbrauerei in Bruchhausen und die Josefsbräu Integrationsfirma Josefsheim Bigge.

 

Einige Zitate zum Bier

 

Ich würde all meinen Ruhm geben für einen Krug Bier und Sicherheit.

Shakespeare 1564 – 1616 Englischer Dramatiker

 

Bier ist der überzeugendste Beweis dafür, dass Gott den Menschen liebt und ihn glücklich sehen will.

Benjamin Franklin 1706 – 1790 Amerikanischer Staatsmann

 

Zeige mir eine Frau, die wirklich Geschmack am Bier findet, und ich erobere die Welt.

Kaiser Wilhelm II 1859 – 1941

 

Ein Mensch, der sich keine Gedanken über das Bier macht, das er trinkt, macht sich vermutlich auch keine über das Brot, das er isst.

Michael Jackson geb. 1942 Englischer Schriftsteller

 

Es ist bestimmt viel schönes dran, am Element, dem nassen, weil man das Wasser trinken kann! Man kann’s aber auch lassen!! Wasser trinkt nur der Vierbeiner – Der Mensch, der findet Bier feiner.

Heinz Erhardt 1909 – 1979 deutscher Schauspieler, Dichter

 

Lob des Bieres

Von P.A. Hoffmann

 

Der Gerstensaft, lasst uns ihn preisen,

Er ist des Lobes wahrlich wert,

Durch Liedersang in vielen Weisen

Sei er von uns gar hoch geehrt.

 

In den berühmten Ritterzeiten,

Da trank man viele Humpen leer,

Und tat mit allen Nachbarn streiten,

Und trank nach jedem Kampf noch mehr.

 

Ja selbst in unseren Lebenstagen

Trinkt man das Bier oft kannenweis,

Und wen die Sorgen häufig plagen,

Der gibt sich gutem Biere preis.

 

Drum wollen wir an’s Bier uns halten,

Und laben uns an seinem Trank,

Dann wird uns gleich den braven Alten,

Die Zeit im Leben nie zu lang.

 

Auf, hebt das Glas in Eurer Rechten,

Und trinkt es aus auf Freundes Glück;

Und wer das Bier nicht will verfechten,

Den stoßt aus unserm Kreis zurück.

 

Zum Schlusse laßt die Brüder leben,

Die reines gutes Bier uns bräu’n,

Gesundheit zu erhalten streben

Und nicht sie stör’n durch Arzenei’n.

 

Gesundheit macht das Leben fröhlich,

Und wehe dem, der sie verstimmt;

Es wird der Bauer hier nicht selig,

Der Kräuter zu dem Biere nimmt.

 

Gedruckt von J.G. Th. Gräße, Bierstudien 1872 S. 196

 

Im Sauerland gehört ein in der Gastwirtschaft in geselliger Runde getrunkenes Bier dazu, wie das Salz zur Suppe.

Weltweit entwickelte sich im 19ten Jahrhundert eine Trunksucht, welche gezielt bekämpft werden sollte. 1826 wurde in Boston, USA eine Temperenzgesellschaft (Grundlage ist die gänzliche Abstinenz) gegründet. Diese Bewegung verbreitete sich in ganz Europa, es entstanden die so genannten „Mäßigkeitsvereine“. Der Amerikaner „Robert Baird“ überreichte 1835 König Friedrich Wilhelm III sein Buch über die Mäßigkeitsbewegung. Friedrich Wilhelm ließ 30.000 Exemplare an alle Geistlichen im protestantischen Raum verteilen. Im katholischen Raum der Diözese Paderborn wurde 1846/47 die ersten Vereine gegründet. Erst als der Paderborner Missionar „Franz Hillebrand“ seit Oktober 1849 bei Abhaltung seiner Volksmissionen regelmäßige „Mäßigkeitsvereine“ gründete, kam die Sache wieder in Bewegung. Stellvertretend für die vielen Gemeinden des Sauerlandes sei die Pfarrei Kohlhagen genannt. Im Vorwort seines Buches schreibt Pfarrer Schelle: Das schädliche Branntweintrinken hat so zugenommen, dass man nur mit ernsten Bedenken in die Zukunft schauen und das Allerschlimmste erwarten konnte. So wurde am 25.03.1852 die erste „Mäßigkeitsbruderschaft“ vom Paderborner Bischof Franz Drepper errichtet. Er selber trat als erster bei.

 

morgen_freibier.jpg

Schon 1839 hatte z.B. der Kaplan Seling im Osnabrücker Raum rd. 82.000 Personen das persönliche Enthaltsamkeitsversprechen abgenommen. Seine Tätigkeit richtete sich vor allem gegen Branntweingenuß und förderte statt dessen den Konsum des weniger gefährlichen Bieres.

 

Ein Lied dazu von Kaplan Seling:

„Die alten Deutschen tranken Bier.

Was tranken ihre Söhne – wir?

Den gift’gen Branntewein?

Nein fort mit ihm, er sei verbannt!

Ach, hätten wir ihn nie gekannt!

Das deutsche Bier schenkt ein!“

 


Entdeckt im Kartoffelhaus in Olsberg.

 

Hier eine Schematische Darstellung aus Gert Fischer, Bierbrauen im Rheinland, Köln:

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