Aus der Not geboren- der Bunker in der Olsberger Kirchstraße

Zum Ende des Krieges nahm der Beschuss durch Tiefflieger auch in Olsberg immer mehr zu. Die strategisch wichtige Bahnlinie Hagen – Kassel, aber auch der Industriebetrieb die „Olsberger Hütte „ waren die Ziele.

 

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Im Jahre 1943 nahmen die Angriffe solche Ausmaße an, dass einige Bürger die Initiative zum Selbstschutz ergriffen.

So begannen die Brüder Xaver und Friedel Albaum aus der Hüttenstraße von ihrem Pferdestall einen Unterstand zu bauen. Mit Hacke, Schüppe und Schubkarre gingen sie ans Werk. Ihr Haus war mit der Rückseite in Legge gebaut und man kam nur sehr langsam voran. Nach einigen Metern stand festeres Gestein an, was zwar die Standsicherheit erhöhte, aber auch die Arbeit erschwerte. Im weiteren Verlauf musste mit Dynamit gesprengt werden. Da die Bohrlöcher mit der Hand getrieben wurden, war das Vorrankommen sehr mühsam.

 

Meinolf Driller, der die Arbeiten mit verfolgte, hatte die Idee – sein Grundstück grenzte an das von Albaums – einen unterirdischen Stollen zu seinem Haus zu sprengen und dort einen „ bombensicheren“ Bunker anzulegen. Er besorgte einen Kompressor mit entsprechendem Zubehör. So konnten die Sprenglöcher mit Pressluft gebohrt werden und ein schnelleres Vorkommen war gewährleistet. Peter Blanke, der zu der Zeit bei der Firma Driller beschäftigt war, war legitimierter Sprengmeister, und unter seiner Anleitung wurde der Stollenvortrieb fortgesetzt. Der Abraum wurde jenseits der Hüttenstrasse an die Böschung des Hüttengeländes gekippt. Mit zunehmender Arbeit wurden drei russische Kriegsgefangene, die auf der „Olsberger – Hütte“ beschäftigt waren, nach Feierabend zu Mithilfe herangezogen.

 

Frau Thea Driller und Frau Caroline Albaum, aber auch weitere Nachbarn sorgten für ihre Beköstigung, was bei der damaligen Lebensmittelknappheit mit großen Schwierigkeiten verbunden war.

 

Als man vermutete, im Bereich des Hauses Driller angelangt zu sein, wurde ein Obersteiger vom Oberbergamt Essen, der an der Kupfergrube in Marsberg beschäftigt war, engagiert. Er hatte die Aufgabe, den Stollen so zu vermessen, dass man bei senkrechtem Vortrieb eine bestimmte Stelle im Keller erreichte.

Das hatte den Vorteil, dass man von oben und unten entgegenarbeiten konnte und somit Zeit sparte, um die Fertigstellung des Bunkers möglichst schnell zu erreichen.

Nachdem dies gelungen war, baute man aus Beton und Ziegelsteinen eine Wendeltreppe von Grund bis zum Keller. Sie hatte 32 Stufen von je 20 cm.

 

Die Schutzräume lagen also 6,80 m unter dem Keller und über 9,00 m unter der Kirchstrasse. Da man in der Nähe der Treppe auf eine Wasserader gestoßen war, musste das Laufniveau durch Rohre entwässert werden.

 

Der Stollen von der Hüttenstraße bis zur Treppe hat eine Länge von ca. 16 m. Der eigentliche Bunker besteht aus drei Räumen, einem größerem und zwei kleineren.

Die Ausmaße betragen ca.:

driller1.jpg1.) Länge 8 m, Breite 2,50 m,

2.) Länge 3 m. Breite 2,00 m

3.) Länge 4 m. Breite 1,80 m

 

Die Höhe an der First ca. 2,10 m und fällt zu den Seiten ab. Die kleineren Räume wurden bergmännisch abgestrebt, da an dem First viel Lockermaterial vorhanden war. Zusätzlich wurden Aluminiumbleche der Firma Honsel angebracht, um das von oben eindringende Wasser abzuleiten. Um die Schutzräume zu belüften, wurden von der Hüttenstraße zum Keller Rohrleitungen verlegt. Anfang 1944, also nach fast einjähriger Bauzeit war das Werk vollendet.

 

Bei Fliegeralarm wurden die Schutzräume von Bürgern der Kirchstrasse, der Hüttenstrasse, des Lingelscheidts, aber auch von anderen Personen aufgesucht.

 

In den letzen Kriegstagen hatten sich noch eine Anzahl von Flüchtlingen und auch Soldaten im Bunker eingefunden. Die Verweildauer war abhängig von der Intensität der Angriffe. Sie betrug mehrer Stunden, einmal dauerte sie sogar drei Tage. Beim Einmarsch der Amerikaner waren zeitweise 120 bis 140 Personen im Bunker.

 

Der Bau dieser Schutzräume war eine Gemeinschaftsleistung vieler Bewohner der Kirchstrasse und anderer Helfer. Er hat einmal mehr gezeigt, was Zusammenhalt und Gemeinsinn von Menschen in Notsituationen bewirken können.

Der Stollen und Schutzräume sind heute noch vom Keller noch begehbar.

 

Mein Dank gilt den Zeitzeugen – besonders Herrn Friedel Albaum – für die vielen Informationen, die dazu beigetragen haben, diesen Bericht zu verfassen.

 

Bearbeitet von Wilfried Rosenkranz, Text (1995) Bilder (2008) von Klaus Driller.


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