Das Olsberger Krankenhaus - Die Schokoladenseite von Olsberg

Vor einigen Monaten wurde in der Presse über große Um- und Neubauten in dem Bericht „altes Krankenhaus“ berichtet.
Wilfried Rosenkranz
Krankheitsbedingt konnte der nun folgende Bericht bisher noch nicht veröffentlich werden.
Mit diesem letzten Bericht von mir gilt es herzlich danke zu sagen, den Lesern, den Zubringern von historischem Material und dem Team von Olsberg Mittendrin.

Wilfried Rosenkranz
 
Olsberg verändert sein Gesicht

krankenhaus olsberg 01 thumb„Auch in den kommenden Jahren wird in Olsberg gebaut“, so der Tenor von Bürgermeister Wolfgang Fischer bei seinen Aussagen beim Seniorentreffen im Gierskertreff. Es geht um den Bereich rund um das alte Krankenhaus, welcher „attraktiv“ bebaut werden soll. Durch Zukauf ist die Stadt im Besitz von ca. 11.000 m² zum Teil mit Aufbauten. Dem Stadtrat obliegt jetzt die Aufgabe, aktiv bei der Grundstücksvergabe, der Nutzung und Bebauung mitzuwirken. Bei den Bereichen „Wohnen“ soll der Zuschlag regional vergeben werden. Bei dem Bereich „Soziales & Gesundheit“ ist eine wegen der Größe des Projektes europaweite Ausschreibung erfolgt. Einige Investoren haben sich schon gemeldet.
Zusätzliche Info: Der Totalabbruch (Krankenhaus, Schwesternhaus usw.) würde etwa 1 Mio. € kosten.
Wir werden dieses Bauvorhaben an der „Schokoladenseite Olsbergs“ sicherlich begleiten.

Wir hatten mal ein Krankenhaus

krankenhaus olsberg 02 thumbNoch steht die Ruine, mitten im geplanten neuen, nennen wir es „Zentrum der Gesundheit“. Denken wir doch noch einmal an die Jahre zurück. Wir sollten dankbar sein, dass wir das St. Josef Hospital hatten.
Um 1880 hatte Olsberg rund 1000 Bewohner. In der Zeit wurde der Schützenverein gegründet und von dem Schulvikar Zengerling der Männergesangverein. Zengerling sah auch die schlechte Versorgung der Kranken. Das Lebensalter lag bei 40 Jahren, es gab 73 Bergmannswitwen. So schrieb er am 24. Oktober 1883 an den Generalvikar. Das Bedürfnis nach einem Krankenhaus ist dringend. Die Antwort war ermutigend.

krankenhaus olsberg 03 thumbDie Witwe von Joseph Körling (geb. Karoline Schultz) hatte viel erlitten. Der Mann und alle acht Kinder waren verstorben. Schon ziemlich betagt will sie ihr ganzes Vermögen (ca. 10.000, - Mark) spenden, wenn ihr ein lebenslanger Unterhalt im Krankenhaus zugesichert wird. Am 26. August 1911 starb sie im Alter von 83 Jahren, gepflegt von den Schwestern. Per Übertrag hat Frau Körling zunächst das ganze Vermögen an den Freiherrn von Wendt gegeben.
 
krankenhaus olsberg 04Freiherr von Wendt verpflichtete sich, das Geld für ein von geistlichen Ordensschwestern geführten Krankenhaus zu errichten: jährlich 75,- Mark bekam Frau Körling bis zum Lebensende. Eine standesgemäße Beerdigung wurde ihr zugesichert. Die Verpflichtungen, die von Wendt übernommen hatte, waren für das Krankenhaus wesentlich. Als Präsident des Bonifatius-Vereins starb er am 1. Dezember 1903. Seine Gattin, Frau Baronin von Wendt, geb. Freifrau von Romberg, ist in Olsberg unvergessen. In edler Gesinnung für Armut und Not kam sie wöchentlich ins Krankenhaus, nie mit leeren Händen.
 
Baubeginn am 28. April 1884

krankenhaus olsberg 05 thumbDen erforderlichen Bauplan erstellte Kreisbauinspektor Carpe (kostenfrei). Zum Baukomitee gehörten Vikar Zengerling, Karl Freiherr von Wendt, Landrat Federrath, Inspektor Carpe und Gewerke Kaspar Kropff und Vikar Theodor Deimel.
Neben Frau Köring war Baron von Wendt ein Wohltäter, er stellte eine Hypothek von 12.000,- M in bar zur Verfügung. Weitere Spenden ergaben 23.669,70 M. Auch Sachleistungen waren Willkommen. Beispielhaft sind die Ausschachtarbeiten (600m³) mit Hacke und Schüppe, von Arbeitern und Bergleuten aus Olsberg. Auf dem sonnigen Bauplatz errichtete die Fa. Liebold, bei Holzminden, das Hauptgebäude mit 23 m Länge und 13,60 m Breite. Alle Zimmer sind sonnig, gegen Wind geschützt, mit freier Sicht ins Ruhrtal. Im Erdgeschoss war die Küche, Speisekammer, Waschküche, Mangelstube, Desinfektionsraum und sechs Einzelkeller. In den anderen Stockwerken waren Kranken- und Sprechzimmer, Hauskapelle und einige Wohnräume für die Schwestern. Die Größe des Hauses war auf 36 bis 40 Kranke berechnet. Laut Vertag-Nr. 334/17 wurde die Kirche Träger des Krankenhauses mit Wirtschaftsgebäude. Nach Einzug der Schwestern wurde wie vorgesehen die Kapelle ihrer Bestimmung übergeben.

Weitere Um/Anbauten (sind in Kurzform aufgeführt):
 
  • krankenhaus olsberg 06 thumbSchon 1891 wurde für „Schulentlassene Mädchen“ eine Nähschule gebaut, aber nur für den Winter – vor Jahren schon der Abbruch.
  • In 1892 baute man eine Ökonomie und 1893 kam die Wasserleitung.
  • Eine Warmwasserheizung und der erste Erweiterungsbau wurden erstellt. Elektrischen Strom bekommt das Haus 1909/1910.
  • In den Jahren 1914-1920 war das Haus Lazarett.
  • Der 2. Erweiterungsbau erfolgte 1928/1929, geschaffen wurde: eine Entbindungsstation, 15 Krankenzimmer mit je zwei Betten und eine Kläranlage.
  • 1935/1936 Dachgeschoss Aufbau
  • 1936 neue OP-Einrichtung
  • 1937 Küchen Erweiterungsbau, elektrischer Herd und Kochgeräte
  • krankenhaus olsberg 071938 neuzeitlich OP-Zimmer, chirurgisches und gynäkologisches Instrumentarium, sowie einen Röntgenapparat
  • 1938 Der Regierungspräsident will das Haus schließen. Aufgrund der Stellungnahme des Landrates wird beschlossen: Das Krankenhaus bleibt!
  • 1938/1939 Bau einer großen Ökonomie und einer Leichenhalle
  • 02.04. – 03.04.1945 Olsberg unter Beschuss, auch das Hospital wird getroffen
  • 1946 bis 1948 Einbau eines elektrischen Speiseaufzuges
  • 1955 bis 1964 Olsberg erhält eine Kanalisation
  • 1958 ein Krankenbettaufzug und ein Personenaufzug wird installiert
  • 1958 bis 1960 Bau des Personalwohnheimes
  • 1964 bis 1970 Erweiterungsbau
  • 1985 Anbau des Pavillons
  • 1987/1988 Bau des Bewegungsbades, Inbetriebnahme Juli 1988
  • 1988 Planung: Neubau Intensivabteilung, Sanierung der Aufzüge, Ausbau des Lichthofes, Schaffung eines Kioskes usw.
 
Wir machen einen Sprung in unruhige Zeiten

Um 2000 ist die Schließung des Krankenhauses in aller Munde. Es wird informiert und spekuliert. Die „Barmherzigen Brüder“ aus Trier waren die Betreiber des Hauses, gaben aber schon nach drei Jahren wieder auf. In Gesprächen hörte man, Bigge soll erhalten und Olsberg aufgegeben werden. Der Unmut zeigte sich mit Unterschriften-Aktionen, Demonstrationen und Leserbriefen. (Beispiel „Barmherziger Tod auf Raten“ oder „nach 119 Jahren Ex und Hopp“). Am 01. Januar 2004 übernahm die Josefs Gesellschaft (Elisabeth Klink) das Haus. Auch diese Lösung scheiterte. krankenhaus olsberg 08 thumbIn den langwierigen Planungen mischte auch der Betreiber (Phönix Gruppe und noch „Verschiedene“ der Klink am Stein) mit. Zwischenlösungen wurden genannt „Der große Wurf – 14 Mio. in die Sachsenecke“. So gab es eine Flaute, aber keine Windstille. Dieser Bericht ist sicher unvollständig, zeigte uns aber den Weg von der ersten Spende bis zum heutigen Tage.

Literaturnachweise:

Jubiläumsschrift 50 Jahre Krankenhaus

Presseberichte & Bilder - WP und Kurier

Akademische Monatsblätter 129 Nr. 8

Rathaus Olsberg Nov. 2019, Seite 5

Privatarchiv W. Rosenkranz


Bildnachweise:

Buch. Olsberg Ein Dorfporträt in historischen Fotos

Luftbild von A. Weller, W. Volmer, W. Rosenkranz -alle Privat!


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