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Unser deutscher Sommer ist ein grün angestrichener Winter.
   

Olsberger Ansichten  

   
Hochsauerlandkreis. Soeben waren die Töne des letzten Musikstücks erklungen, die so gekonnt vorgetragen wurden vom des Saxophonquartett der Musikschule HSK, da war jedem der über 100 geladenen Gäste am Freitag (30. Juni) beim Festakt „200 Jahre Kreisgeschichte im Hochsauerland“ klar, welche historische Bedeutung die Einführung der Kreise vor 200 Jahren einnahm. Mit ihnen begann die Entwicklung der staatsrechtlichen Moderne.
„In der Verwaltungsorganisation und in der Gewährung staatsbürgerlicher Rechte war damit ein Quantensprung vollbracht“, sagte Festredner Prof. Dr. Hinnerk Wißmann. „Die Landkreise als Elemente des modernen Verfassungsstaates von 1817 bis 2017“ war sein lebendiger Vortrag überschrieben. Seine Essenz: „Die Kreise stehen für Rechtsstaat, Demokratie und Flexibilität“. An die Mitglieder des Kreistages gewandt, die er ausdrücklich begrüßte, machte der Staatsrechtler, der an der Universität Münster lehrt, deren anspruchsvolle Aufgabe deutlich: „Durch die direkt gewählten Vertreter soll auf Ebene der Kreise Demokratie stattfinden, und zwar ausdrücklich durch unmittelbare Legitimation, nicht nur vermittelt durch Abgesandte der Gemeinden.“
 Bereits zuvor hatte Landrat Dr. Karl Schneider in seinem Vortrag auf die Nähe des historischen Datums hingewiesen, denn zum 01. Juli 1817 hatte der am 26. Juni 1817 zum Landrat des Kreises Medebach ernannte Christian Adolph Pilgrim sein Amt angetreten. Bei seiner Reise durch die Jahrhunderte Kreisgeschichte im Hochsauerland beließ es Dr. Schneider nicht dabei, auf die historischen Personen und Verdienste eines Freiherr vom Stein, Freiherr von Hardenberg oder auch Ludwig Freiherr Vincke hinzuweisen. Dem Landrat war es ein großes Anliegen, innerhalb seines Vortrages auch dem ersten Oberkreisdirektor des Hochsauerlandkreises, Dr. Adalbert Müllmann sowie dem HSK-Ehrenlandrat Franz-Josef Leikop zu danken.
 „Seine Stärken bezieht der Hochsauerlandkreis gerade auch aus der erfolgreich gelungenen kommunalen Neugliederung“, wandte er sich an Dr. Müllmann: „Sie haben, indem Sie damals die unterschiedlichsten Fäden zusammen führen konnten, einen großen Beitrag dazu geleistet, dass der Hochsauerlandkreis heute diese Stärken hat.“
 Franz-Josef Leikop, ebenfalls Ehrengast der Feierstunde, nahm den Dank des Landrats entgegen: Leikop sei nach Abschaffung der Doppelspitze nach britischem Vorbild Mitte der 90er Jahre als erster hauptamtlicher Landrat in NRW nach 1945 insbesondere für die Nähe des Hochsauerlandkreises zu seinen Bürgerinnen und Bürgern eingetreten. Dr. Schneider betonte abschließend, die einst errungene  kommunale Handlungsfreiheit der Kreise und Landräte zu behaupten:  „Diese kommunale Handlungsfreiheit ist ein hohes Gut, das nicht eingeschränkt werden sollte.“
 Dieser Forderung konnte sich Schluss-Redner Bernhard Halbe anschließen, der als Bürgermeister Schmallenbergs stellvertretend für die zwölf kreisangehörigen Städte und Gemeinden das gute Binnenverhältnis zum Hochsauerlandkreis hervorhob: „Wir im Hochsauerlandkreis stolz sein, suchen wir gemeinsame Wege und Handlungsstränge zur Entwicklung unserer Region.“

Kreisfeier
200 Jahre Kreisgeschichte im Fokus dreier Redner: Landrat Dr. Karl Schneider (M.), Prof. Dr. Hinnerk Wißmann (l.), Schmallenbergs Bürgermeister Bernhard Halbe (r.) mit dem ersten Oberkreisdirektor des HSK, Dr. Adalbert Müllmann (2.v.l.), und dem ersten hauptamtlichen Landrat im HSK und in NRW, Franz-Josef Leikop (2.v.r.)
Foto: Pressestelle HSK
Musikalische Festbeiträge lieferte das Saxophonquartett der Musikschule HSK: Marco Rüther, Gordian Finger, Hanna Funke und Fernando Berens. / Foto: Pressestelle HSK