Haus Hövener organisiert Themennachmittag 2020

artikelbild regionalesBrilon. Den Mitmenschen etwas Gutes tun – das war zeitlebens ihr Anliegen. Doch das Wirken von Wilhelmine Hövener und Jutta Rakoniewski hat noch mehr gemeinsam: Beide haben Spuren hinterlassen. Ihr kulturelles Erbe prägt das Sauerland und reicht weit in die Zukunft. Und beide waren nicht nur bescheiden, sie hatten auch denselben Geburtstag.
Zu diesem Anlass organisierten Museumsleiter Carsten Schlömer und sein Team zusammen mit der Jutta und Engelbert Rakoniewski Stiftung am Wahlsonntag im Museumsgarten Haus Hövener einen Themennachmittag mit Blick auf ihr Wirken und ihre Arbeit. 
Die pralle Sonne ließ die ausgewählten – bisher nicht veröffentlichten – Werke der Künstlerin Jutta Rakoniewski im Naturgarten des Museums Haus Hövener erstrahlen. Zahlreiche Gäste aus nah und fern folgten der Einladung in den Museumsgarten, wo Kunst und Geschichte an diesem Sonntag in Form von Vorträgen aufeinandertrafen. „Viele von Ihnen kennen Frau Hövener noch, haben mit ihr gesprochen oder waren gar Schülerin oder Schüler. Dass sie bereits seit 1999, also vor 21 Jahren, verstarb, ist eine Zeitspanne, die vielen wohl als unglaublich anmutet“, mutmaßte der Museumsleiter in seiner Laudatio zu Gedenken einer Frau, die „auch durch das Museum die Stadt Brilon mitgestaltete und Einfluss auf das Leben der Bürgerinnen und Bürger besitzt.“ 
Als Tochter einer einflussreichen Unternehmerfamilie und als Stifterin des Museums schuf die ehemalige Studienrätin des Petrinums im Herzen von Brilon einen einzigartigen Ort des Zusammenkommens, des Erinnerns und des Lernens. „Frau Hövener hat alles bewahrt, was als Familienerbe der Gewerken in Brilon bezeichnet werden kann. Nicht nur dieses stadtbildprägende, klassizistische Haus. Auch Grundstücke, die Alte Hütte an der Hoppecke, Dokumente, Urkunden, Möbel und Gemälde. Ein wirklicher Schatz der Familie und der gesamten Stadt Brilon. Es entstand ein Portal für Kunst, Kultur und Geschichte der Region“, fasste Schlömer seinen Vortrag über das Erbe und die Unternehmer-Dynastie Kannegießer-Unkraut-Hövener zusammen. 
Vom Sauerland in die große weite Welt und wieder zurück
Auch Jutta Rakoniewski (1945 – 2019) zählt zu den – durch ihre Persönlichkeit und Lebenserfahrung geprägten – starken Frauen des Sauerlands. Als Halbwaise, und im Alter von sechs Jahren Vollwaise, hatte sie keine einfache Kindheit. Die gebürtige Grönebacherin bleibt den Menschen in Erinnerung, weil sie mit ihrer Malerei einen Schatz der modernen Kunst schuf, um Menschen zu helfen. Bereits in ihrer Kindheit war die Malerei ihre große Leidenschaft, die sie später zum Beruf machte: „Ich möchte Malerin werden, sagte sie einmal zu ihrem Großvater“, schilderte Gastredner Peter Wagner vom Kuratorenteam Sammlung Pitt Moog. Mit Pitt Moog, der von ihren Bildern sehr angetan war, hatte sie zusammen vor rund zehn Jahren zwei Ausstellungen in Brilon und in Winterberg mit überwältigender Resonanz. 
Die gelernte Technische Zeichnerin wanderte 1968 mit ihrem Mann Engelbert, ebenfalls Vollwaise, nach Montreal (Kanada) aus, wo sie als Designerin arbeitete und parallel dazu an der Concordia University of Montreals Design studierte. Vom Sauerland in die weite Welt sozusagen. Das Ehepaar betrieb in der Folge eine Designfirma zur Herstellung von Ladeneinrichtungen, die sie nach 38 erfolgreichen Jahren verkaufte, um ins Sauerland, nach Winterberg, zurückzukehren. 
Malen für einen guten Zweck
Während all der Jahre schuf die Künstlerin Werke der modernen Malerei, die sie in zahlreichen Ausstellungen in den USA (zum Beispiel in New York oder Miami), in Kanada und auch in Deutschland präsentierte. Die Erlöse spendete sie für bedürftige und kranke Kinder, Heime und Hospize. Jutta Rakoniewski gehört zu den wenigen Künstlerinnen und Künstlern, die über regionale Grenzen hinaus bekannt und geschätzt werden. 
Zurück in der Heimat erfüllte sie sich ihren Traum als freischaffende Künstlerin. „Ich will nicht provozieren. Mein Ziel ist es, Harmonie zu erzeugen. Die Zuschauer sollen Ruhe und Harmonie beim Betrachten empfinden“, sagte sie 2004 auf einer Ausstellung in Winterberg. Über 350 Werke hat sie erschaffen. Kurz nach ihrem Tod rief ihr Ehemann die gleichnamige Stiftung ins Leben, welche sich um die Pflege und die Verbreitung des noch vorhandenen künstlerischen Erbes kümmert. 
Über 40 ausgewählte und bisher ungesehene Werke von Jutta Rakoniewski sind seit Mittwoch, 16. September 2020, zwei Monate lang in einer großen Sonderausstellung für die Öffentlichkeit zugänglich und käuflich zu erwerben. Der Erlös wird gespendet an Haus Hövener, das Hospiz Olpe sowie die Jutta und Engelbert Rakoniewski Stiftung.

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Die Gastgeber luden zu einen Themennachmittag in das Haus Hövener ein: (v.l.) Carsten Schlömer, Peter Wagner, Jutta Raikonewski (Foto), Engelbert Raikonewski und Winfried Dickel.
Foto: Silke Nieder

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