Heimische Autorin veröffentlicht Fortsetzung ihres Debütromans „Hexenherz“

artikelbild regionalesBestwig/Hochsauerland. Stellen Sie sich vor, Sie lesen einen Roman und im gesamten Buch findet sich nicht eine männliche Sprachform. Kein „man“, kein „niemand“, kein „irgendwer“ – und auch sonst gängige Begriffe wie „Rebell“ tauchen nur in ihrem weiblichen Pendant auf (sprich „Rebellin“). Die junge Autorin Monika Loerchner, gebürtige Bestwigerin, hat sich genau dieses Stilmittel in ihrem Roman „Hexenherz – Glühender Hass“ zu eigen gemacht. Und trägt damit dem Inhalt des Buches Rechnung.
Denn in der fiktiven Erzählwelt des Goldenen Reiches sind die Frauen den Männern gegenüber von Natur aus überlegen, weil nur sie über Magie verfügen, und sich so eine Weltordnung schaffen konnten, in der nun die Herren der Schöpfung das schwächere Geschlecht sind. „Vor dem Hintergrund habe ich mich dazu entschieden, auch die Sprache zu ,entmännlichen‘. Dort, wo seit 550 Jahren Frauen herrschen, muss sich das natürlich auch in der Sprache wiederfinden“, erklärt die 36-Jährige ihren Kniff, der im Anschluss an die reine sechsmonatige Schreibzeit nochmal eine große Herausforderung für die zweifache Mutter darstellte. 
Insbesondere, weil im Vordergrund stehen sollte, dass sich das Buch auch weiterhin flüssig und spannend lesen lässt. Dennoch könne es durchaus sein, dass der ein oder andere Leser über Formulierungen wie „Das geht keine etwas an“ stolpern werde, räumt die sympathische Autorin freimütig ein. Früher sei ihr der ganze Gender-Wahn selbst auf die Nerven gegangen, mittlerweile habe sie aber gemerkt, welche Macht Sprache haben kann. „Sprache reflektiert nicht nur den Ist-Zustand, sondern transportiert – oftmals unbewusst – auch Botschaften“, so Monika Loerchner, die mit dem Roman „Glühender Hass“ bereits den zweiten Band aus der „Hexenherz“-Reihe auf den Markt bringt. Ihr Erstlingswerk „Eisiger Zorn“ ist im Februar 2017 erschienen und mittlerweile in dritter Auflage erhältlich.
Bekannte Gesichter, neue Nebengeschichte
Der Fortsetzungsroman knüpfe zwar an der alten Geschichte an, könne aber auch problemlos von denjenigen gelesen werden, die den ersten Band nicht kennen, so die Autorin. Alle anderen werden auf einige bekannte Gesichter und Charaktere stoßen. „Ich persönlich hasse es, wenn in einem Roman alle Handlungsstränge aufgelöst werden. Deshalb habe ich mir im ersten Buch einige Türen offen gehalten, durch die ich im zweiten Band nun hindurchrenne“, erklärt Monika Loerchner ihr Konzept. Neu ist, dass es in diesem Buch eine Nebengeschichte gibt. Hierin berichtet eine 15-Jährige in Form von Tagebucheinträgen von ihrem Leben im „Großen Moldawischen Reich“, einem von Männern dominierten Land, und ihren Schwierigkeiten, als Frau in der patriarchalen Gesellschaft Anerkennung zu finden.
Probleme, die auch der Protagonist der Haupthandlung nur allzu gut kennt. Er ist im Übrigen für Kenner des ersten Teils kein Unbekannter. Der mittlerweile vierzehnjährige Kolja sollte einst Oberhaupt der Familie werden, jetzt gilt er weniger als nichts: Von seiner Mutter in eine männerverachtende Gesellschaft geschleppt und dann im Stich gelassen, lebt der traumatisierte Junge nun bei seiner Ziehmutter Helena (der Protagonistin aus dem ersten Teil). Hin- und hergerissen zwischen dem Hass auf seine „Gebärerin“ (synonym zu verstehen zum männlichen Pendant „Erzeuger“) und dem Wunsch, endlich seinen Vater zu finden, schmiedet er einen Plan. Um seinen Zielen näherzukommen, geht er einen gefährlichen Pakt ein und stellt sich – als Frau verkleidet – gegen die Gesetze der Hexen des Goldenen Reiches – und gegen die der Göttin.
„Ich liebe es, den in der Gesellschaft vorherrschenden Sexismus umzudrehen“
Die gesellschaftlichen Probleme und umgekehrte Hierarchie zwischen Männern und Frauen bilde dabei aber nur den Hintergrund der Geschichte, erklärt die Autorin. Vielmehr gehe es um die oftmals schwierige Beziehung zwischen Kindern und Eltern, pubertäre Probleme und die Suche nach den Wurzeln und der eigenen Identität. Auf seiner Mission erreicht der Protagonist dabei nicht nur die Hauptstadt Annaburg (angelehnt an Marburg, den Studienort der Autorin), sondern er zieht auch durch die heimischen Gefilde, namentlich Smaleberg (Schmallenberg) und Neuhünenburg (Meschede). Zudem hat die Autorin eigene Erfahrungen („Ich liebe es, den in der Gesellschaft vorherrschenden Sexismus umzudrehen“) mit in das neue Werk einfließen lassen und ihren Freundinnen und Bekannten einige Nebenfiguren gewidmet – eine Rolle hat sie sogar über facebook verlost. Das Mitspracherecht war dabei allerdings eingeschränkt. „Jeder durfte sich aussuchen, ob er gut oder böse sein möchte und überlebt oder nicht“, berichtet Monika Loerchner, die seit 2015 beim Acabus Verlag unter Vertrag steht und zurzeit zusätzlich an einem Fantasy-Roman und an einer kapitelweise online erscheinenden Geschichte mit Handlung in Ramsbeck („Tränenburg“) arbeitet.
Auch die Hexenherz-Reihe wird fortgesetzt, verspricht die Autorin. „Die Welt macht mir so viel Spaß, da wird noch einiges kommen.“ Man darf, oder – um der entmännlichten Sprache gerecht zu werden – besser, „wir dürfen“ gespannt sein.

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Vorfreude: Auf der Leipziger Buchmesse am 24. März liest Monika Loerchner ein Kapitel aus ihrem neuen Buch „Hexenherz – Glühender Hass“ vor. 
Foto: Lars Lenneper

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