„WAZ-Modell ist so nicht mehr haltbar!“

Unternehmerfrühstück 

Bodo Zapp beim Unternehmerfrühstück

 

Zum 3. Unternehmerfrühstück hatte die Sparkasse Hochsauerland am Sonntag, 1. März, in die Olsberger Hauptfiliale eingeladen.

Unter den zahlreich erschienenen Gästen begrüßte Geschäftsstellenleiter Frank Muffert besonders Bürgermeister Elmar Reuter, MdL Hubert Kleff sowie Helmut Schmücker als Vorsitzenden der Werbegemeinschaft Olsberg-Bigge.

Dass die Wirtschafts- und Finanzkrise auch im Blätterwald für große Unruhe sorgt, ist lange bekannt, Printmedien aller Couleur kämpfen ums Überleben. Der Trend werde nicht besser, prophezeite auch Referent Bodo Zapp, Chefredakteur der zur WAZ-Gruppe gehörenden Westfalenpost aus Essen.

Einbrüche im Anzeigengeschäft, Rückgänge der Abonnenten und Leserzahlen insgesamt, zudem die Konkurrenz aus dem Internet ließen weltweit die Auflagenzahlen nicht nur der „guten alten Tageszeitung“ schrumpfen. Mit dem Internet als Nachrichtenmedium sei bisher noch keiner richtig reich geworden, erklärte Zapp. Es werde noch immer über den Print finanziert, aber man könne sich hier nicht mehr rausziehen.

 

Bodo Zapp 

 

„Man kann ohne Zeitung überleben“, so Zapps Bekenntnis, „wenn auch nicht so gut!“ Vor allem junge Leser zu holen und zu halten, sei immer schwieriger. Dazu habe bisher noch niemand das richtige Konzept gefunden. Selbst die Bild-Zeitung habe neben vielen anderen einen Rückgang von 5,6 % zu verzeichnen.

Lediglich FAZ, die Zeit und das Handelsblatt zeigten momentanen Zuwachs: „Man muss das Besondere bieten“, so Bodo Zapp. Wirtschaftlicher werden durch weniger Seiten, Zugeständnisse an den Leser (erstmals Farbfotos auf den Titeln von FAZ und New York Times) und vor allem die Nutzung von Synergieeffekten etwa durch die Zusammenlegung von Redaktionen – solche Lösungsansätze zeigen sich global, aber auch hier vor Ort.

Denn der WAZ-Konzern, zu dessen Töchtern die Westfalenpost gehört, ist ebenfalls massiv zu Einsparungen gezwungen: 30 Mio. € heißt es einzusparen. D.h. auch, dass von 900 Arbeitsplätzen ein ganzes Drittel abgebaut werden soll. Einen Verlust von 10 Mio. € in 2008 habe allein die Westfalenpost hinnehmen müssen. Konkrete Maßnahmen sind etwa der Verzicht auf dpa-Meldungen in der Mantelredaktion, die Kürzung der Seitenzahl oder auch die Zusammenlegung von Redaktionen der WP und WR, wie es in Meschede geschieht.

Sog. „Regionaldesks“ bieten zukünftig gemeinsames Produzieren (vor Ort in Meschede für die Redaktionen Brilon, Meschede, Arnsberg und Bad Berleburg), wobei die Verantwortung aber weiter bei den jeweiligen Lokalchefs liegt. Man wolle weiterhin besonders seinem Anspruch gerecht bleiben als WP die „Heimatzeitung“ zu sein.

Dem Einwand Hubert Kleffs, die Einsparungen bedeuteten doch auch Einschränkungen der Meinungsvielfalt, entgegnete Zapp, dass man schließlich auch ein Privatunternehmen sei, das wirtschaftlich denken müsse, und es außerdem gerade einmal 10% der Informationen beträfe, die von politischer Natur seien. Wenn denn die Zeitung als Kulturgut empfunden werde, warum dann nicht auch aus Mehrwertsteuersicht?

 

Letztlich gab sich Bodo Zapp aber idealistisch. Sein Fazit: Wenn es keine Zeitung gäbe, so müsste sie doch erfunden werden!

 

Gastgeschenk

 

Bodo Zapp umrahmt von Frank Muffert und Michael Niggemann von der Sparkasse Hochsauerland.

 

 

 

 

Weitere Impressionen gibt's auch wieder in der Bildergalerie!


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