Olsberger Ansichten  

   
Es ist eine Tendenz, die Sorge bereitet - und das gleich doppelt: Immer öfter sind Familien, Kinder und Jugendliche auf unterstützende Maßnahmen des Kreisjugendamtes im HSK angewiesen. Dies verursacht deutlich steigende Kosten - die dann von den Kommunen im Hochsauerlandkreis geschultert werden müssen. In der jüngsten Sitzung des Olsberger Stadtrates gab Martin Stolte, beim Hochsauerlandkreis Fachbereichsleiter Jugend und Schulen, eine Übersicht über die aktuellen Entwicklungen.
Sein Fazit: In vielen Bereichen der Jugendhilfe sei „eine Dynamik entstanden, die uns allen nicht gefällt.“ Insgesamt gut 2,8 Millionen Euro mehr als geplant musste der HSK im vergangenen Jahr nach vorläufigen Berechnungen für die Jugendhilfe ausgeben. Ein Aspekt: Die so genannten „stationären Hilfen“ für Kinder und Jugendliche, deren Eltern - vorübergehend oder dauerhaft - mit der Erziehung überfordert sind. Allein hier lagen die Ausgaben im Vorjahr um gut 1,7 Millionen Euro „über Plan“. Es gebe, so Martin Stolte, einen „ungeheuren Anstieg in der Betreuung“. Dies betreffe sowohl die absoluten Zahlen wie auch die gebuchten Zeiten. Immer mehr werden die - pro Woche höchstmöglichen - 45 Stunden gebucht; Martin Stolte: „Das ist die teuerste Betreuungsform, die wir haben.“
1,2 Millionen Euro mehr als geplant musste das HSK-Jugendamt 2016 für ambulante Hilfen ausgeben. Auch hier gebe es eine deutliche Steigerung der Fallzahlen. Zudem würden die Fälle in der Tendenz immer komplexer, so dass sich auch die Zeiten verlängern, in denen Hilfeleistungen erfolgen.
Zu steuern seien solche Entwicklungen kaum, betonte Martin Stolte auf entsprechende Anfragen der Ratsmitglieder. Zuzüge von Familien, die zum Teil hohen Unterstützungsbedarf mitbringen, seien nicht planbar. Dass der Bedarf an Jugendhilfe deutlich steige, sei eine bundesweite Entwicklung, die nun auch „auf dem Land“ angekommen sei. Viele Familien weichen aktuell auch deshalb aus Ballungszentren in den ländlichen Raum aus, weil die Mieten hier niedriger sind. Martin Stolte sieht hier eine „gesellschaftliche Entwicklung“: „Die Fallzahlen werden nicht zurückgehen.“
Für das Jahr 2017 erwartet Martin Stolte kreisweit einen Mehraufwand von rund 3,6 Millionen Euro in der Jugendhilfe. Aktuell werden mehrere Modelle geprüft, wie diese Summe über die Jugendamtsumlage auf die HSK-Kommunen umgelegt werde. Auf die Stadt Olsberg kommen für das Jahr 2017 Mehrkosten von voraussichtlich 417.000 Euro zu - Martin Stolte: „Dass Ihnen das nicht gefallen kann, ist mir natürlich bewusst.“ Mit verschiedenen organisatorischen Maßnahmen versuche das Kreisjugendamt, den Kostenanstieg zumindest besser zu steuern. Man dürfe aber nicht vergessen, dass es um junge Menschen gehe, unterstrich Fachbereichsleiter Stolte: „Und da müssen wir auch sehen, dass nichts anbrennt.“
Es gebe häufig nicht mehr die berühmte „intakte Familie“, so das Fazit von Bürgermeister Wolfgang Fischer - die Folgen davon kämen nun auch bei den Kommunen im ländlichen Raum an. Ausdrücklich dankte er Martin Stolte und seinem Team für die Arbeit zur Unterstützung von Kindern und Jugendlichen: „Das verdient unser aller Anerkennung und Respekt.“
   
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