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Brilon/Hochsauerland. Mitgliederschwund, Traditionsverlust, veraltete Strukturen – wie zukunftsfähig sind Schützenvereine? Dieser Frage geht das Projekt „Tradition im Wandel“ mit einer Onlineumfrage auf den Grund. Seit dem 12. Mai kann jeder, vom Schützenfestfan bis zum Schützenfestmuffel, an der Umfrage teilnehmen, die das Center of Risk Management der Universität Paderborn (CeRiMa), der Bund der St.-Sebastianus-Schützenjugend BdSJ und die Warsteiner Brauerei initiiert haben.
Am Montag zogen die Verantwortlichen beim Schützenfrühstück in Brilon erstmals Bilanz. Bemerkenswert sei das große Interesse an diesem Projekt. Aufgrund der großen Teilnehmerzahl zeichne sich schon jetzt ein eindeutiges Bild ab. „Wir sind mit grandiosem Erfolg in die Umfrage gestartet“, erklärte Dr. Peter Becker vom CeRiMa. „Zur Mitte des Abfragezeitraums können wir bereits jetzt auf die Aussagen von 3500 Teilnehmer zurückgreifen. Für eine wissenschaftliche Studie ist so etwas sehr viel.“
Erstaunlich für die Initiatoren war dabei auch, dass Meldungen bis aus Baden und bemerkenswert viele aus den neuen Bundesländern zu verzeichnen sind. Eine erkennbar Tendenz ist nach Aussage der Projektverantwortlichen, dass das Schützenwesen in der Wahrnehmung der jungen Leute immer noch einen hohen Stellenwert einnimmt. Dabei unterstrich Susanne Oschecker vom BdSJ: „Für uns als Jugend ist es besonders wichtig, beteiligt zu werden, um den Grat zwischen traditionell bleiben und modifizieren zu schaffen. Die Jugend muss in den Vereinen ein Mitspracherecht haben. Für mich ist wichtig ,Was macht die Jugendarbeit zukunftsfähig?’. Das gilt für die Schützen, caritative und alle anderen ehrenamtlichen Aufgabenbereiche.“
Ganz wichtig ist für die aktive Schützenschwester: „Schützenvereine sind keine Trinkvereine, sondern bewegen etwas in den Orten und es bedarf engagierter Leute, die das umsetzen und weiterleben.“
Jonas Leineweber, Student an der Uni Paderborn und inmitten seiner Bachelorarbeit im Lehramtsstudium Deutsch und Geschichte zum Thema „Schützenwesen als immaterielles Kulturerbe der Unesco“ und in seiner Freizeit aktiver Schützenbruder, hob hervor: „Genau deswegen wollen wir mit diesen Erkenntnissen über die Schützenverbandsgrenzen hinaus nicht nur die Schützen, sondern auch beispielsweise Landjugend, Pfadfinder und andere Jugendverbände unterstützen.“
Eine mögliche Idee dazu stellte Benjamin Payer, Field Marketing Manager West der Warsteiner Brauerei, vor: „Gut denkbar sind in diesem Zusammenhang Workshops.“ Wichtig war in diesem Zusammenhang Manfred Nieder, Verkaufsdirektor bei der Warsteiner und mit dem Schützenwesen eng verbunden: „Wir müssen Attraktivität schaffen und beachten, die Anforderungen sind nicht für alle Vereine gleich.“
Dr. Peter Becker rief dazu auf, dass sich noch möglichst viele an der Umfrage beteiligen. „Wir freuen uns über jeden Schützen und Nichtschützen, der mitmacht. Besonders erfreulich ist, dass ein Drittel der Teilnehmenden Leute sind, deren Interesse nicht im Schützenwesen liegt.“ Damit bauen die Initiatoren den ersten Teil des Projektes „Tradition im Wandel“, in dem die ökonomischen, personellen und soziologischen Risiken im Schützenwesen anhand von fünf teilnehmenden Vereinen untersucht wurden, aus.
„Wir können nach Beendigung der Umfrage direkt mit der Ableitung geeigneter Maßnahmen beginnen“, erklärte Jonas Leineweber. Manfred Nieder war überzeugt: „Mit konkreten Wünschen, Anregungen und Best-Practice-Maßnahmen können wir in Zukunft die Vereine noch gezielter unterstützen.“
Erste Workshops für Schützenvereine zu unterschiedlichen Themenfeldern werden die Verantwortlichen voraussichtlich noch zum Ende des Jahres starten.
An der Onlineumfrage kann jeder bis zum 30. August unter http://go.upb.de/schuetzen teilnehmen. Unter den Teilnehmern wird eine Vielzahl von Preisen verlost. Die Ergebnisse der Studie stellen die Beteiligten im Herbst vor.

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Die Zukunft des Schützenwesens liegt ihnen am Herzen (von links): Susanne Oschecker (BdSJ), Bachelor-Student Jonas Leineweber, Hendrik Hillebrandt (BdSJ), Dr. Peter Becker (Uni Paderborn), Manfred Nieder (Verkaufsdirektor Warsteiner Brauerei), Herbert Jätzel (Major der St.-Hubertus-Schützenbruderschaft Brilon) und Benjamin Payer (Field Marketing Manager Warsteiner Brauerei). 
Foto: Manfred Eigner
   
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