Olsberger Ansichten  

   
Kneipj1Bigge. „Hattest du schon einen Pinsel in der Hand?“ Und flugs streckt Magdalena Schopohl, Kreativtherapeutin, bereits dem Neugierigen, der seine Nase in das „Sommeratelier“ des Josefsheims steckt, ein Malutensil mit Acrylfarbe entgegen. In den neuen Räumlichkeiten der Kreativ- und Kunsttherapie wird gerade fleißig an der farblichen Gestaltung Pfarrer Sebastian Kneipps gearbeitet. Das Josefsheim Bigge ist einer von 36 Paten der Kneippfiguren, die ab September im Stadtgebiet verteilt stehen werden.
Während der Großteil der Figuren von Maler Roland Klaucke seine Farben bekommt (SauerlandKurier berichtete), bemalt das Josefsheim als einer der wenigen Paten selbst. Ziel ist, dass sich so viele Menschen aus dem Josefsheim wie möglich an dem Projekt beteiligen, damit sich auch später möglichst viele mit dem „neuen Bewohner“ des Josefsheims identifizieren. „Jeder, der kommt, muss malen“, sagt Magdalena Schopohl lachend.
Daher war es auch nicht ganz einfach, das Konzept für den Entwurf zu erstellen, der von einem Gremium abgesegnet werden musste. Bei der Arbeit mit Menschen mit Behinderung geht es nicht darum, sich exakt Millimeter genau an eine Skizze zu halten. Während einige Kneippfiguren durch Detailvielfalt bestechen, fokussiert sich das Josefsheim auf die Symbolkraft der Farben. „Daher haben wir überlegt, welche Farben passen zu Kneipp?“ erklärt Kunsttherapeutin Melanie Vogel, die zusammen mit Magdalena Schophol alle Interessierten aus dem Josefsheim bei der Bemalung der Figur anleitet.
Neues Sommeratelier installiert
So ist am Freitagmorgen Tammy Stubbs beispielsweise mit Gelb für den Sonnenschein, Kraft und Licht zuständig, während Korinna Krüger für Energie und Feuer einen roten Pinsel schwingt und Pinar Ibis mit einem grünen Anstrich an Wiese, Natur und Heilpflanzen denken lässt. Die drei gehören zu den rund 20 Bewohnern des Josefsheims, die schon an Sebastian Kneipp gemalt haben.
Um genügend Platz für die große Fieberglas-Figur zu finden, um die man zudem noch mit den Rollstühlen drum herum kommen muss, hat man im Josefsheim zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Seitdem Pfarrer Sebastian Kneipp eingezogen ist, verfügt das Josefsheim über ein Sommeratelier und bietet der Kunst- und der Kreativtherapie jetzt einen breiteren Raum. Der Pavillon, der in früheren Zeiten einmal als Werkstattladen fungierte und nun viele Jahre lang leerstand, wurde neu hergerichtet und geöffnet – und dies nicht nur während der Arbeiten an Pfarrer Kneipp.
Auf den Gedanken, ein offenes Atelier im Josefsheim einzurichten, kam man bei einem Besuch in Maria Veen, wo ein Kunstverein im Benediktushof ein ähnliches Atelier installiert hat. Jetzt ist auch jeder, der bei der Kunst- oder Kreativtherapie im Josefsheim vorbeischauen möchte, seit Anfang Juni im Sommeratelier willkommen und darf auch gerne spontan selbst den Pinsel in die Hand nehmen – auch Nichtbewohner des Josefsheims. Vorstellbar seien künftig auch Veranstaltungen, sagt Pressesprecher Mario Polzer. Etwa ein offenes Sommeratelier sei denkbar, bei dem Schulklassen und Menschen mit Behinderungen gemeinsam malen, sowie generell Kunstprojekte mit Schulklassen.
Auch zu dem „offenen Angebot“, das einmal im Monat stattfindet –– hier werden vorwiegend Mandalas gemalt –, sind alle Olsberger willkommen (Termine sind über das Josefsheim zu erfragen).
Auch Pfarrer Kneipp soll künftig natürlich für Gäste sichtbar sein. „Wir suchen noch einen prominenten Platz“, sagt Mario Polzer über den dauerhaften Standort der Kneippfigur im Josefsheim.

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Magdalena Schopohl (Kreativtherapeutin) und Melanie Vogel (Kunsttherapeutin) unterstützen die Menschen mit Behinderung aus dem Josefsheim Bigge im neuen Sommeratelier bei der farblichen Gestaltung der Kneippfigur: Viel Spaß hatten am Freitag dabei Korinna Krüger, Pinar Ibis und Tammy Stubbs.
Foto: Jana Sudhoff
   
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