Interview: „Bleib dir treu“ zur Europatournee Ernst Hutter

Während ihrer Europatournee gastieren Ernst Hutter und die „Egerländer Musikanten – Das Original“, am Samstag, 25. Januar 2020, um 20 Uhr in der Konzerthalle. Das „erfolgreichste Blasorchester der Welt“ blickt mittlerweile auf eine über 60-jährige Geschichte zurück. Im Gespräch mit dem SauerlandKurier berichtet der Leiter Ernst Hutter, wie er das Lebenswerk seines legendären Vorgängers Ernst Mosch weiter in die Zukunft führt, dabei aber auch eigene Akzente setzt und versucht, sich immer selbst treu zu bleiben – ganz nach dem Motto der Tour „Bleib dir treu“.
Für die „Egerländer Musikanten – Das Original“ geht es jetzt auf große Europatournee – rund 20 Jahre, nachdem Sie mit Ernst Mosch auf Abschiedstournee waren. Was ist das für ein Gefühl?
Man rekapituliert, was in 20 Jahren alles geschehen ist, was man in den 20 Jahren als Chef von diesem berühmten Orchester alles bewirkt hat. Die große Jubiläumstournee stand bereits 2016 unter dem Motto „Das Feuer brennt weiter“. Jetzt hatten wir im Sommer den 20. Todestag von Ernst Mosch – ein besonderer Jahrestag für uns. Ich habe mit ihm 14 Jahre lang zusammengearbeitet. Viele Kollegen, die jetzt noch im Orchester sind, waren damals auch schon dabei. Die aktuelle „Bleib dir treu“-Tournee schließt an das gesamte Thema an.
Wie viel Ernst Mosch steckt denn immer noch in der Musik der „Egerländer Musikanten – Das Original“ ?
Ernst Mosch wird bei uns im Orchester immer bleiben sowie in jedem anderen vergleichbaren Unternehmen. Ein Seniorchef, der ein Produkt aufgebaut hat, wird immer eine Rolle spielen. Die Arbeit von Ernst Mosch wird von uns gepflegt, für die Zukunft erhalten und an die nächste Generation weitergegeben. Das hat natürlich auch mit dem Motto „Bleib dir treu“ zutun.
Welche eigenen Akzente setzen Sie mit dem Orchester heute?
Viele neue Musiker sind in den 20 Jahren dazugekommen. Es gibt mittlerweile eine ganze Generation an jungen Musikern, die mit Ernst Mosch nicht mehr zusammengespielt, die nur mit mir gearbeitet haben. Diese Musiker haben alle selbst viele musikalische und inhaltliche Dinge in den letzten 20 Jahren zum Orchester beigetragen. Was sich aber gewaltig verändert hat, ist das ganze Umfeld, indem wir uns bewegen: die Gesellschaft, das Musikgeschäft und die Medien.
Wie nehmen Sie diese Veränderungen wahr?
Wir als traditionsbewusstes Orchester haben damit zu kämpfen, dass die Medien ganz schnell irgendwelche Künstler hypen, sie wahnsinnig groß machen innerhalb kürzester Zeit, aber sie vielleicht in drei Jahren wieder fallen lassen. Wir leben heute in einem großen Spannungsfeld zwischen den Wörtern „Wegwerfgesellschaft“ und „Nachhaltigkeit“. Und da passt natürlich auch unser „Bleib dir treu“-Thema sehr gut zu.
Apropos „Bleib dir treu“, sind Sie sich in all den Jahren immer treu geblieben?
Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mich mit großem Selbstverständnis im Spiegel anschauen kann. Das war natürlich immer meine Maxime. Ernst Mosch nachzufolgen war eine große Herausforderung, aber auch eine große Verpflichtung. Er war ein Mensch, der so viel geschaffen hat und so viel Erfolg kreiert hat – mit seiner Musik und seinem Orchester, sodass es heute noch ganz viele Fans direkt von der Person gibt. Ich bin mir aber auch selbst treu geblieben. Das heißt, ich habe mich nicht komplett in den Dienst einer anderen Sache gestellt, sondern habe meine eigenen Talente und Möglichkeiten in die Weiterentwicklung des Orchesters mit eingebracht. Das ist auch sehr gut gelungen. Nicht zuletzt sieht man das daran, dass wir heute wieder kopiert werden. Ernst Mosch ging es auch schon so. Er hat uns immer gesagt: „Neid muss man sich erarbeiten.“
Sind Ihnen auch die Fans immer treu geblieben?
Wir haben sehr treue Fans, die die „Egerländer Musikanten – Das Original“ schon seit 30, 40 Jahren sehr gut kennen und mit gewissen Erwartungen zu unseren Konzerten kommen. Wenn nicht das Original gespielt hat, gehen sie vielleicht enttäuscht aus dem Konzert heraus.
Kommen denn auch jüngere Zuschauer zu den Konzerten?
Natürlich. Unser Publikum setzt sich aus mehreren Generationen zusammen. Da gibt es wie gesagt die ganz treuen Fans, die heute 70-, 80-Jährigen, die die „Egerländer Musikanten – Das Original“ schon 30, 40 Jahre kennen. Sehr viele Besucher in meinem Alter und jünger, so 50, 60 Jahre, erinnern sich wieder an die Zeit, als sie die Musik mit ihren Eltern erlebt haben. Aber auch die junge Generation, 40 Jahre und jünger, kommt wieder verstärkt zu uns. Für die jungen Leute ist unsere Musik etwas Neues, weil sie uns nicht von früher kennen. Sie haben vergleichbare Musik vielleicht nur vom Blasorchester aus ihrem Heimatort gehört. Wenn sie selbst aktiv spielen, haben wir als professionelles Orchester oft Vorbildcharakter. Eines meiner wichtigsten Anliegen in den letzten 20 Jahren war es, das Erscheinungsbild des Orchesters mit jungen Leuten aufzuwerten. Junge Musiker ziehen auch junge Zuhörer an.
Ein Auftritt der Europatournee wird am 25. Januar 2020 wieder in der Konzerthalle Olsberg sein. Worauf können sich die Zuschauer diesmal freuen?
Wir können immer wieder an den gleichen Orten wie Olsberg spielen – denn wir wissen einfach schon, dass wir dort das Publikum ansprechen, das vor einem Jahr schon begeistert war. Die Leute haben aber auch eine gewisse Erwartungshaltung. Sie wollen genau das erleben, was sie vom Künstler glauben zu bekommen. Das sind natürlich unsere großen Hits aus der Mosch-Ära, aber auch unsere neuen Kompositionen. Immer gespielt werden natürlich der „Egerländer Musikantenmarsch“, „Böhmischer Wind“ und zum Abschluss „Bis bald auf Wiedersehn“. Wir freuen uns sehr auf das Konzert in Olsberg.
Das Interview führte Stefanie Schümmer

Vorverkauf
Karten für das Konzert gibt es unter Tel. 0 29 62/9 73 70 sowie bei allen bekannten Vorverkaufsstellen.


Im Gespräch mit dem SauerlandKurier: Ernst Hutter freut sich schon auf das Konzert am 25. Januar in der Konzerthalle Olsberg.
Foto: Stefanie Schümmer

olsberg-mittendrin e.V.
von Olsberg - für Olsberg
Copyright © olsberg-mittendrin.de

Webteam Impressum Kontakt RSS Feed Facebook Instagram