Teilstück der A46 zwischen Velmede und Nuttlar

A46 1 thumbVelmede/Nuttlar. Ein Mammutprojekt neigt sich dem Ende zu: Die Bundesautobahn A46, die zwischen Velmede und Nuttlar mit zukünftigem Anschluss als B480 an das Autobahnkreuz Wünnenberg/Haaren (A44/A33) gebaut wird, soll noch in diesem Jahr eröffnet werden. Projektleiter Richard Mede vom Landesbetrieb Straßenbau NRW, der mit seinem Team bereits seit fast zehn Jahren den Bau vorantreibt, ist überaus optimistisch, dass im vierten Quartal 2019 die Autos und Lkw über die Bahn Richtung Brilon, Olsberg und Winterberg rollen.
 „Es gibt noch keinen festen Termin, aber die Eröffnung wird im vierten Quartal 2019 erfolgen. Danach wird das insgesamt 8,4 Kilometer lange Teilstück (davon 5,6 Kilometer A46 und 2,8 Kilometer B480) offiziell für den Fahrbetrieb freigegeben“, so Richard Mede.
Bereits 2006 wurde das Planfeststellungsverfahren für den Bau der A46 eingeleitet. Der Beschluss lag im Oktober 2008 vor und fast ein Jahr später erfolgte der erste Spatenstich am 4. September 2009 am damaligen Autobahnende in Velmede. Im Frühjahr 2010 begannen im ersten Bauabschnitt die Arbeiten für die Errichtung einer ca. 2,7 Kilometer langen Baustraße von der AS Velmede aus im künftigen Trassenbereich. 
Erst diese Baustraße ermöglichte den Bau der Wirtschaftswegebrücken Stockey, Kreuzwegebrücke, Föckinghauser Weg, Stockey, der Talbrücke Hameke und der Großbrücke Sengenberg. Seitdem ging es mit dem 175 Millionen teuren Bauprojekt stetig weiter. Die 505 Meter lange und 26 Meter hohe Talbrücke Hammecke konnte gebaut werden, nachdem ein Hochspannungsmast am östlichen Widerlager neu errichtet worden ist. Parallel zur Umsetzung des Hochspannungsmastes wurde im Mai/Juni 2011 mit dem größten Brückenbauwerk Nordrhein-Westfalens begonnen.
Abschnitt A46 von der AS Velmede bis zur Talbrücke Nuttlar:
„Der Streckenbauabschnitt von Velmede bis zur Talbrücke Nuttlar ist fast abgeschlossen. Hier laufen bereits die Ausstattungsarbeiten, das heißt die Schutzplanken werden angebracht, die Wildschutzzäune aufgebaut und die Fundamente für die Schilder aufgestellt. Im Sommer werden dann die Markierungsarbeiten vorgenommen und anschließend die PWC-Gebäude gebaut“, so der Projektleiter. Derzeit laufen zudem die Pflanzarbeiten in dem 5,3 Kilometer langen Abschnitt bis zu dem größten Einzelbauwerk Nordrhein-Westfalens. Begleitgrün, Hecken, Büsche sowie Bäume werden entlang der Bundesautobahn gepflanzt, Zäune aufgestellt. Unterhalb der Talbrücke Nuttlar, die zweifelsohne die spektakulärste Baumaßnahme im Zuge der Autobahnerweiterung darstellt, wurden Ausgleichsmaßnahmen vorgenommen.
Ein langer strapaziöser Weg und eine logistische Meisterleistung waren erforderlich, um die Talbrücke zu konstruieren. Baubeginn war im Mai/Juni 2011. Im Zweischichtbetrieb und häufig auch am Wochenende waren zu Stoßzeiten bis zu 100 Beton- und Stahlbauer am Werk, um die monströse Brücke in einer effektiven Bauzeit von 4,5 Jahren zu errichten. Umfangreiche Baustraßen mit einer Länge von rund 7 Kilometern (Rückbau in der zweiten Jahreshälfte) mussten eigens dafür angelegt, zahlreiche forstwirtschaftliche Wege entsprechend für den LKW-Verkehr auf einen Fahrbahnquerschnitt von vier Metern erweitert und asphaltiert werden. Straßen mit Wendehammer und Ausweichstellen für die Sattelzüge waren zudem notwendig, um die jeweiligen Baubereiche der Talbrücke Nuttlar überhaupt erreichen zu können, insbesondere für die bis zu 130 Tonnen schweren und 35 Meter langen sowie sechs Meter breiten Stahlbauteile, die eigens aus Bayern in das Sauerland fast 1000 Kilometer weit transportiert werden mussten.
Mit ihren Rundpfeilern, die trotz ihrer enormen Dimensionen gazellenhaft gen Himmel ragen, schmiegt sich das monumentale Bauwerk seit Fertigstellung Ende 2015 in die Landschaft. Mit einer Höhe von 115 Metern und einer Gesamtlänge von 660 Metern überspannt die Stahlverbundbrücke mit leicht abgerundeten Wiederlagern, graziös und farblich in die bergige Landschaft des Sauerlandes integriert, das Tal des Schlehbornbaches. Ein faszinierendes, 56 Millionen teures Brückenbauwerk, bei dem 28.500 Kubikmeter Beton und 8.200 Tonnen Stahl für den Überbau benötigt wurden – ein echter Blickfang und zugleich ein Musterbeispiel grandioser Architektur mit Immissionswänden teilweise aus Acryl, das dem Betrachter für einen Moment das Gefühl vermittelt, dem Himmel ein gutes Stück näher zu sein.
Abschnitt von der Talbrücke Nuttlar bis Anbindung an die Ortsumgehung Olsberg:
„In dem Teilstück bis zur Abfahrt Olsberg werden derzeit bereits die Asphaltschichten eingebaut. Die Kanalbauarbeiten südlich der Talbrücke Bermecke bis hin zum Knotenpunkt haben auch begonnen. Im dritten Quartal sind auch dann die Ausstattungsarbeiten an der Reihe“, erklärte Mede den derzeitigen Stand.
Ähnlich wie die Talbrücke Nuttlar verschmilzt auch die 505 Meter lange und 26 Meter hohe Hammecke mit ihren stahlummantelten Pfeilern mit der Landschaft. Die rostigen, langen „Beine“ der Brücke stehen vor dem Hintergrund des Waldes, symbolisieren die Fichtenstämme. Die 454 Meter lange und 62,5 Meter hohe Talbrücke Schormecke hingegen weist eine andere, ganz spezielle Besonderheit auf: Einen sehr engen Radius und eine Steigung von über vier Prozent. Insgesamt wurden 11.500 Kubikmeter Beton, 2.400 Tonnen Bewehrungsstahl sowie 317 Tonnen Spannstahl für die Umsetzung benötigt.
Spektakulär und nicht weniger arbeitsintensiv waren aber auch bereits im Frühjahr 2015 die vorbereitenden Baumfäll- und Rodungsarbeiten für die 780 Meter lange Hangsicherung am Sengenberg. Insgesamt 320.000 Kubikmeter Bodenmassen müssen gelöst werden, um sie anschließend auf dem Teilstück zwischen den Talbrücken Hammecke und Nuttlar sowie den zukünftigen PWC-Anlagen (Parkplätze mit WCs) profilgerecht, also bereits in endgültiger Lage, einzubauen. Von den 320.000 Kubikmetern Bodenmassen mussten zudem 240.000 Kubikmeter Fels mehrheitlich mittels Sprengen gelöst werden. Ein aufwendiges Unterfangen, das den Bauarbeitern so einiges abverlangte. Des Weiteren war es erforderlich, zur Standsicherung insgesamt 3.700 Dauernägel mit einer Länge von sechs bis 15 Metern mit einer Gesamtlänge von zirka 37 Kilometern über den gesamten Hang zu verteilen
„Insgesamt 13.700 Quadratmeter (das entspricht einer Fläche von zwei Fußballplätzen) Spritzbeton sowie 13.700 Quadratmeter Gabionen (Gitterkörbe mit 1 Kubikmeter Volumen) haben wir zur Hangsicherung benötigt. Zudem wurden 123 Drainagen je 35 Meter lang gelegt, damit gewährleistet ist, dass sich kein überhöhter Grundwasserdruck bilden kann. Es ist wichtig, dass das Drainagewasser immer frostfrei ablaufen kann. Ein umfangreiches Entwässerungssystem ist eigens gebaut worden, um das Wasser zum Becken bei der Großbrücke Sengenberg zu leiten, wo es letztlich verdunsten und / oder versickern kann“, erläuterte der Projektleiter den spektakulären Bau der Bundesautobahn, die sowohl infrastrukturell als auch aufgrund der enormen baulichen Dimensionen eine Bedeutung einnimmt, die weit über die Grenzen des Sauerlands hinausgeht.

Weitere Bilder von der Baustelle der A46 finden Sie hier

A46 10
Ein langer strapaziöser Weg und eine logistische Meisterleistung waren erforderlich, um die Talbrücke zu konstruieren.
Foto: Claudia Metten

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