Pilgerreise 2018 - „Auf dem Jakobsweg“

Wegweiser Jakobsweg2Hochsauerland. „Auf dem Jakobsweg“ – das ist Paulo Coelhos sehr persönliches Tagebuch seiner Pilgerreise nach Santiago de Compostela 1986. Als er sein Tagebuch verfasste waren noch nicht einmal 5000 Pilger im Jahr auf dem Jakobsweg unterwegs. Er ist der eigentliche Auslöser des Pilgerbooms, den viele in Unkenntnis dem TV-Entertainer Hape Kerkeling, der seinen Reisebericht erst 2009 veröffentlichte, zuschreiben. Im Jahre 2009 betrug die Pilgerzahl schon über 145.000 Personen. Gleichwohl feuerte er den „Run“ aber nochmals an, sodass die Zahl 2017 bereits bei über 300.000 Pilgern lag. Der zertifizierte Wanderführer Ingobert Balkenhol aus Olsberg vom SGV Wanderferien machte sich jetzt zusammen mit einer 35-köpfigen Pilgergruppe aus dem gesamten Sauerland auf den Weg. Auf der zwölftägigen Reise legten sie an sechs Wandertagen insgesamt 118 Kilometer zurück.
Was das Besondere am „Camino“ ist, verriet er der SauerlandKurier-Redakteurin Stefanie Reinelt.
KURIER: Herr Balkenhol, warum pilgern immer mehr Menschen? Was ist der besondere Reiz?
Ingobert Balkenhol: Pilgern kommt vom Lateinischen peregrinus. Das Wort bedeutet „fremd“ und „in der Fremde sein Heil suchen“. Schon im Mittelalter pilgerten die Menschen zu den verschiedensten Orten, weil sie sich eine wundersame Heilung von ihren Krankheiten oder auch um Vergebung ihrer Sünden erhofften. Bei heutigen Befragungen geben immer noch sehr viele Pilger die religiösen oder spirituellen Gründe als ihr Hauptziel an. Daneben treten neben sportlichen Gründen auch Selbsterfahrung oder einfach nur Neugier immer häufiger auf. Dem hat das Pilgerbüro der Kathedrale von Santiago Rechnung getragen und stellt den Pilgern, die nicht aus religiösen Gründen nach Santiago gepilgert sind, eine Urkunde aus, die ihnen eine „kulturelle Wallfahrt“ bescheinigt. Die Pilger aus religiösen oder spirituellen Motiven erhalten eine Pilgerurkunde, die Compostela.
KURIER: Gibt es bestimmte Anforderungen an die Pilger, um eine Compostela zu bekommen?
Ingobert Balkenhol: Neben den religiösen oder spirituellen Gründen ist der Weg zu Fuß, mit dem Pferd oder Fahrrad zu bewältigen. Für Fuß- und Pferdepilger ist eine Mindeststrecke von 100 Kilometern, für Fahrradpilger von mindestens 200 Kilometern erforderlich. Das Pilgerbüro hat die Startpunkte für die verschiedenen Wege genau festgelegt, da immer die letzte Strecke vor Santiago de Compostela genommen werden muss.
KURIER: Sind Sie vorher schon selbst gepilgert?
Ingobert Balkenhol: Meine Frau Ursula Maria und ich waren schon an einigen Pilgerorten. Man könnte sagen, auf den Spuren der Heiligen gewandert. Von Paulus in der Türkei als Einzelreisende und in Griechenland mit der Pfarrgemeinde, Petrus in Rom mit der Gruppe des Grafschafter Heimatvereins, und letztes Jahr mit ihnen auf den Spuren des heiligen Antonius von Padua.
KURIER: Und dann fehlte noch der Jakobsweg auf Ihrer Liste?
Ingobert Balkenhol: Die SGV-Gesundheitswanderer fragten uns, ob wir nicht einmal auf den Jakobsweg wandern könnten. Natürlich habe ich erst den hiesigen Jakobsweg im Sauerland angeboten, obwohl mir klar war, den meinten sie nicht. Also fing ich mit den Recherchen und Vorbereitungen an. Viele gutgemeinte Ratschläge von heimischen Pilgern waren nicht umsetzbar, da wir ja als eine größere Gruppe starten wollten und dies eine völlig andere Herangehensweise erforderte. Neben dem Alter waren auch noch diverse Wehwehchen zu berücksichtigen. Ich habe mich dann doch lieber auf die Informationen der Kollegen im Arbeitskreis „Wanderferien“ des Sauerländischen Gebirgsvereins verlassen. Der Arbeitskreis „Wanderferien“ besteht aus einem Kreis zertifizierter und erfahrener Wanderführer. Sie setzen sich für die Interessen des SGV ein und handeln in seinem Auftrag. Ihr Ziel ist es, interessierten Wanderfreunden die Teilnahme an ausgeschriebenen meist mehrtägigen Wanderferien unter Gleichgesinnten zu ermöglichen.
KURIER: Wie ging es dann weiter?
Ingobert Balkenhol: Nachdem die Tagesetappen, Rastplätze und Unterkünfte und alles weitere geplant war, wurde das Bus-Team Sauerland mit der Durchführung der Fahrt beauftragt. Die Wanderer, die mit zum Camino wollten, stiegen von Tag zu Tag zu. Als wir die Fahrt offiziell bekanntgaben, war sie am gleichen Tag schon ausgebucht. Die Anreise über Paris und Pamplona zum Camino erfolgte mit dem Bus. Dann ging es endlich auf die Strecke nachdem wir dem Kloster von Roncesvalles einen Besuch abgestattet hatten. Hier beginnt der spanische Teil des „Camino Francés“.
KURIER: Wie sah ein „typischer“ Wandertag aus?
Ingobert Balkenhol: Unsere Tagesetappen wurden mittags von einem kleinen Imbiss (Drei-Gänge-Menü mit Getränken) und einer Siesta unterbrochen. Abends erreichten wir mehr oder weniger abgekämpft unsere Unterkunft. Nach dem gemeinsamen Abendessen wurden die Eindrücke und Erlebnisse des Pilgerweges noch ausgetauscht und besprochen. Auch reifte die Erkenntnis, dass unsere Kilometerangaben wesentlich präziser waren, als die Kilometersteine am Wegesrand. Neben diversen Wegeverlaufsänderungen, die bei den Kilometersteinen nicht geändert waren, neigten geschäftstüchtige Anrainer dazu, die Wegeführung zu ihren Verkaufsstellen zu leiten. Morgens ging es dann früh los zur nächsten Etappe. Zwei Mitreisende, ein Diakon und ein Religionslehrer, übernahmen das Morgenlob. Die nächsten beiden Etappen, mit je 25 Kilometern, forderten von den nicht so geübten Wanderern doch einiges an Selbstmotivation, die Ursula Maria und ich gerne unterstützten. Neben herrlichen Landschaften, mittelalterlichen Brücken, Kirchen und Klöstern sahen wir die gesamte Schönheit dieses Pilgerweges.
KURIER: Was waren die Highlights Ihrer Wanderung?
Ingobert Balkenhol: Die weiteren Etappen führten uns über den Aussichtspunkt Monte del Gozo, mit der Pilger-Bronze-Skulpturengruppe, Richtung Santiago, unserem Ziel entgegen. An unserem letzten Wandertag zogen wir mit unserem Wimpel des SGV gemeinsam in die Kathedrale zur Pilgermesse ein. Wer schon einmal so eine Pilgermesse mit vielen Hundert Teilnehmern, miterleben durfte, weiß welche Ergriffenheit von ihr ausgeht. Traditionsgemäß danken die Pilger in der Gebetszeit Gott für die erlebten Erfahrungen während des Abenteuers „Camino“ und das Erreichen des Zieles. Wir durften die Verwendung des Botafumeiro (turibulum magnum), wie schon im Codex Calixtinus erwähnt, erleben.
KURIER: Was ist ein Botafumeiro?
Ingobert Balkenhol: Der Botafumeiro wird aufgrund der Menschenmassen, die sich in der Kathedrale versammeln, als Reinigungselement benutzt. Diese Reliquie, die nach dem Auffüllen mit Kohle und Weihrauch mehr als 100 Kilogramm schwer ist, wird von acht Personen geschwenkt.
KURIER: Das war das Ende Ihrer Reise?
Ingobert Balkenhol: Nach der Messe wurde mit einem örtlichen Führer die Altstadt von Santiago de Compostela gemeinsam besichtigt. Nun blieb Ursula Maria und mir nur noch die freudige Aufgabe, bei einem feierlichen Galadinner, die Compostela an unsere Mitwanderer zu überreichen. Es ist für uns alle ein prägendes Erlebnis gewesen. Die Gemeinschaft dieser Wandergruppe war das Abenteuer „Camino“ wert. Die „Peregrinos“ des SGV sind wohlbehalten zurück und wir freuen uns schon auf das nächste Jahr. Buen Camino!
Info: Auch 2019 findet eine SGV-Ferienwanderung zum Jakobsweg statt.
Interessierte sollten sich den Zeitraum vom 28. April bis 9. Mai 2019 vormerken.
Weitere Infos: Tel. 02962/908510

SGV Jakobsweg2
Teilnehmer Pilgerreise
Fotos: Ingobert Balkenhol

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