Ohne Angst beim Thema Tod

friedhof 2Was ist eigentlich ein Sarg? Wo kommt er hin? Was passiert, wenn jemand stirbt? Alle diese Fragen beschäftigten in den letzten Wochen die Schülerinnen und Schüler der Klasse 2 der Schule an der Ruhraue.
Ausgelöst wurde das Interesse an diesem Thema durch den Tod eines Mitschülers. „Das kommt gerade an unserer Schulform öfter vor“, erklärt Klassenlehrerin Brigitte Stratmann. „Deshalb ist die Auseinandersetzung damit so wichtig; auch und vor allem, um den Kindern Ängste zu nehmen.“
Diese entstehen nämlich häufig durch Unkenntnis oder weil über den Tod nie gesprochen wird. So war es für die Lehrer zunächst auch nicht einfach, Friedhofsmitarbeiter oder Bestatter zu finden, die bereit waren, mit den Kindern über ihre Arbeit zu sprechen. Dann aber wurde eine Unterrichtsreihe geplant, die mit einem kindgerechten Film über den Tod startete. Das Anschauen und das erste darüber Reden zeigte einerseits, was die Kinder wissen wollten, andererseits aber auch, an welchen Stellen man sensibel sein muss, weil vielleicht Vorerfahrungen, schlechte Erinnerungen o.ä. da sind. Immer wieder wurde der Film angehalten, damit die Kinder sich äußern und Fragen stellen konnten. „Die Kinder waren total bei der Sache und haben ganz ernsthaft miteinander über Tod und Sterben geredet“, stellten die Mitarbeiterinnen in der Klasse fest.
Danach folgte ein Besuch auf dem Friedhof. Die Kinder besichtigten die Trauerhalle und sprachen mit Mitarbeitern dort. Sie schauten sich Grabsteine und Gräber an. „Wenn alle Menschen so beerdigt werden, dann ist doch die ganze Welt bald ein Friedhof“, lautete eine berechtigte Frage. Die Erklärung, dass die Menschen zu Erde werden, aus der Neues wachsen kann, war für die Kinder völlig natürlich und einsichtig. Ganz spontan überlegten sie, was aus ihnen wachsen solle. Simon erklärte sofort: „Aus mir soll ein Kirschbaum wachsen“ und Laura wünschte sich: „Ich möchte eine große Sonnenblume werden.“ Zum Schluss wurde eine Grabstelle ausgewählt, auf der die Kinder mitgebrachte Kerzen anzündeten.
Als weiteren Schritt besichtigten die Kinder ein Bestattungsinstitut in Brilon. Herr Schirm zeigte ihnen Urnen und Särge, erklärte, was die Toten anziehen und vieles mehr. „Ich bin hier überhaupt nicht traurig“, meinte Hannes. Das ist auch normal, wenn man die Toten nicht kennt, erklärte Frau Stratmann den Schülerinnen und Schülern. Stirbt aber jemand, den uns nah steht, dann darf man traurig sein und auch weinen. Das hilft, sich zu verabschieden.
In der Schule an der Ruhraue gibt es viele Möglichkeiten, sich von verstorbenen Mitschülern zu verabschieden z. B. durch Briefe schreiben, Kerzen anzünden, eine Erinnerungsfeier machen etc. Diese Unterrichtsreihe gehört auch zur Abschiedskultur dort. Sie hilft den Kindern mit Trauer umzugehen, vor allem aber nimmt sie die Angst vor dem Thema Tod. Denn, so formuliert Lehrerin Frau Stratmann: „Trauern ist richtig und wichtig, aber Angst sollen die Kinder nicht haben.“ Für die Schülerinnen und Schüler der Klasse 2 hat durch die Informationen und das praktische Tun das Thema Tod viel von seinem Schrecken verloren.

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