JuleA 2018: Schule statt Mittagsschlaf

Jule18Eine App installieren, eine E-Mail schreiben, einen Satz auf Englisch verstehen oder ein Tablet bedienen – für viele junge Menschen sind dies Selbstverständlichkeiten im Alltag. Doch nicht jeder eignet sich die modernste Technik im Vorbeigehen an. Auch ältere Generationen wollen pfiffig mit der Technik umgehen und sind daher jetzt noch einmal zur Schule gegangen.
An der Sekundarschule Olsberg-Bestwig haben seit November daher Schülerlehrer ihre Seniorenschüler im JuleA-Projekt (Jung lehrt Alt) bei ihren Fragen, Problemen und Unsicherheiten im Umgang mit moderner Technik unterstützt. „Es ist nicht einfach anderen gegenüber eine Wissenslücke einzugestehen“, erklärte jetzt Wolfgang Rochna bei der feierlichen Übergabe der Zertifikate an die Schülerlehrer zum Abschluss des aktuellen Kurses. Rochna ist Initiator des JuleA-Projekts und ist extra den Weg nach Olsberg angetreten, um ein paar Worte an die Teilnehmer des Kurses zu richten. Er freute sich vor allem, dass sich jeder ältere Teilnehmer ohne Druck auf die Erfahrung eingelassen habe. „Sie haben eine ganze Zeit lang auf ihren Mittagsschlaf verzichtet“, scherzte er und ernte dafür großes Gelächter bei den Teilnehmern.Insgesamt 22 Seniorenschüler im Alter von 59 bis 83 Jahren haben seit November jede Woche den Weg zur Sekundarschule auf sich genommen, um in zehn Unterrichtseinheiten á 90 Minuten von ihren Schülerlehrern unterrichtet zu werden. „Ihr habt euch auf fremdes Eis begeben und musstet euch einer anderen Sprechweise und Hörweise anpassen“, sagte Rochna in seinem Dank an die 28 Schülerlehrer.Seit der Projektgründung vor zehn Jahren haben über 4100 Personen am JuleA-Projekt teilgenommen, davon seit 2012 alleine 350 Teilnehmer, darunter 50 Prozent Jugendliche, in Olsberg. „Die Null-Bock-Generation sehe ich nicht“, sagte Rochna zufrieden.Berührungsängste abbauenAuch Sekundarschuldirektor Michael Aufmkolk ist vom Erfolg des Projekts überzeugt. „Das Projekt ist super und eine tolle Basis, um Berührungsängste bei den Jugendlichen abzubauen.“ Betreut und begleitet wurde das Projekt von Andreas Brüne.Vor Beginn des Kurses wurden den Seniorenschülern feste Schülerlehrer zugeordnet, die sich mit ihren speziellen Problemen beschäftigten. „Ich habe bei Null angefangen“, erklärt Seniorenschülerin Angelika Schmidt (72). „Ich hatte zwar ein Smartphone, aber ich konnte es nicht bedienen. Ich war froh, dass ich hier in Olsberg einen Platz bekommen habe.“ Betreut wurde Schmidt von Ronja Rebber (14) und Leonie Steffen (15). „Ronja war immer höflich und hat immer geschaut, dass sie jemand findet, der ein Problem lösen kann, wenn sie mal etwas nicht wusste“, lobte Schmidt ihre junge Lehrerin. „Ich bin gerne hierhin gekommen.“Ronja Rebber und Leonie Steffen halfen dabei, dass Angelika Schmidt jetzt mit ihrem Smartphone umgehen kann. „Das Thema E-Mail war schwierig“, sagte Rebber. „Früher ist da mal ein Missgeschick passiert und es musste erst wieder Vertrauen zurückgewonnen werden.“Der Kontakt zwischen den jungen Schülerlehrern und der 72-jährigen Seniorenschülerin wurde aber auch außerhalb des Kurses intensiviert. „Wir haben uns auch Nachrichten unter der Woche geschickt“, erklärte Schmidt.Die Schülerlehrer freuten sich gemeinsam mit ihren Seniorenschülern und Betreuern über ihre Zertifikate, die sie für ihr Engagement beim JuleA-Kurs in der Sekundarschule Olsberg-Bestwig erhalten haben.Foto: Stefan Krüger

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