„Wo bleiben unsere Beiträge?“

Dr. Stefan Hüttemann

Olsberg zwischen Ärztemangel und Spezialklinik

Wie wird sie aussehen die medizinische Versorgung der Zukunft – ganz konkret vor Ort in Olsberg? Darüber informierten und visionierten Dr. Stefan Hüttemann, Peter Senn (Rettungswesen HSK), Frank Leber (Elisabethklinik), Uli Hoffmann (Klinik am Stein) sowie Bürgermeister Elmar Reuter.

Sie waren der  Einladung des Stadtmarketingvereins Olsberg Live ins Haus des Gastes gefolgt, welches fast aus allen Nähten platzte. Hier konnten die interessierten Besucher hören, dass es in zehn Jahren ziemlich schlecht bestellt sein wird in Olsberg und Umgebung mit der Versorgung durch niedergelassene Hausärzte.

„Das Alter holt uns ein“, erklärte Dr. Hüttemann, der die unterschiedliche Vergütung der Ärzte in Westfalen-Lippe – im Vergleich zu den meisten anderen deutschen Gegenden – anprangerte. Aber das Geld allein kann es nicht sein, das junge Ärzte daran hindert, sich im ländlichen Raum niederzulassen.

Schon jetzt liegt das Durchschnittsalter der Ärzte im Raum Olsberg/Nuttlar/Schmallenberg/Bestwig-Ramsbeck bei 50 Jahren. „Wir sind weder Träger eines Krankenhauses noch haben wir Gestaltungsmöglichkeiten in der Ärzteversorgung – aber gefragt werden wir doch zu allem“, erklärte dazu Elmar Reuter, der allerdings zugab, dass die Stadt schon in die Pflicht genommen werden dürfe, wenn es darum geht, einen attraktiven Standort für Ärzte zu schaffen. Versuche, auf die Kassenärztliche Vereinigung einzuwirken, die zukünftig für den HSK Notfallambulanzen einrichten möchte, stecken noch in Bemühungen fest. Ab 2010 sollen diese Ambulanzen in Neheim, Brilon, Winterberg und Fredeburg fehlende Hausärzte ersetzen.

Der Olsberger Vorschlag, in der Elisabethklinik Räume für Notdienste einzurichten, die von allen heimischen Ärzten genutzt werden, stieß bei der KV bisher noch nicht auf fruchtbaren Boden. Bigge und Olsberg als Standorte der Rettungswache seien gesichert, konnte Peter Senn verkünden, der seit Beginn 2009 für das Rettungswesen im HSK verantwortlich ist. Doch sind die sieben Notarztstandorte im HSK auch in Zukunft finanzierbar?

Peter Senn 

Momentan sind in Olsberg 16 Mitarbeiter mit vier Fahrzeugen im Einsatz, die in 2008 über 3800 Einsätze gefahren sind. Allerdings gebe es immer weniger Ärzte mit einer Notarzt-Qualifikation, so Senn. Bleibt zu wünschen, dass Szenarien wie das folgende auch in Zukunft die absolute Ausnahme bleiben. Ein Kunstherzpatient aus Bigge hatte im vergangenen Jahr den Notarzt rufen müssen und diesem gesagt, dass für ihn Kliniken im Raum Paderborn oder sogar Hannover zuständig seien. Leider hatte das Notarztteam große Mühe, sich schnell für eine richtige Klinik zu entscheiden – erst in letzter Sekunde konnte dem Patienten geholfen werden: „Ich war in Todesangst!“ „Diesen Fehler müssen wir eingestehen“, gibt Peter Senn zu, der den Fall noch einmal prüfen möchte.

 

Positiver gestalten sich Olsberg und Bigge als Klinik-Standorte. Bis Ende September 2009 soll die Einhäusigkeit der Elisabeth-Klinik in Bigge hergestellt sein. „Wir werden keine betriebsbedingten Kündigungen aussprechen“, versprach Geschäftsführer Frank Leber. Lediglich einige Zeitverträge würden zu diesem Zeitpunkt auslaufen. Trotz steigender Operationszahlen (von 1.800 in 2005 auf 3.000 in 2008) und Erhöhung der Vollzeitkräfte im selben Zeitraum von 190 auf 219 ist es auch hier schwierig junge Ärzte nach Bigge zu holen. Frank Leber hofft darauf, dass die hohe Fachlichkeit der Klinik – seit wenigen Tagen gibt es hier den einzigen Handchirurgen im ganzen HSK – attraktiv auf junge Mediziner wirkt.

„Wir sind sicher, eine gute Zukunft mit unserem Konzept am neuen Standort zu haben“, glaubt auch Uli Hoffmann, Geschäftsführer der Klinik am Stein, die ihren Umzug ins Olsberger Krankenhausgebäude für Juli 2010 anvisiert. Was mit den Mietobjekten in der Wattmecke geschehen soll, ist noch nicht klar. Der Umzug in die Sachsenecke wird voraussichtlich 12 bis 14 Mio. Euro kosten. „Die Erstfinanzierung ist gesichert“, so Hoffmann.

In 2004 wurde die geriatrische Reha-Klinik auch zum ersten in NRW anerkannten Alzheimer Therapiezentrum. Rund 250 Mitarbeiter sind hier beschäftigt. Mit dem Umzug wird man die Bettenzahl von 130 auf 160 erhöhen.

Die fünf Referenten hinterließen ihr Publikum mit gemischten Gefühlen: die Klinikstandorte scheinen gefestigt, doch was passiert mit der alltäglichen medizinischen Versorgung? Mit dieser Frage steht Olsberg nicht allein da!

 

Weitere Fotos auch in der Bildergalerie!

 

Publikum


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